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Die Blaugrüne Mosaikjungfer am Gartenteich

Die scheinbare Ruhe am Gartenteich unterbricht ein lautes, tiefes Brummen. Dann kommt der Verursacher auch schon ins Blickfeld. Eine Blaugrüne Mosaikjungfer, Aeschna cyanea, patrouilliert am Gartenteichrand entlang. Schon nach wenigen Minuten sind die hinreißenden Flieger wieder verschwunden, aber schon bald kann der nächste da sein.

Sicherlich ist die Blaugrüne Mosaikjungfer, die wie fast alle großen Libellen zu den Edellibellen gehört, die auffälligste unter den am Gartenteich vorkommenden Libellen. Nicht nur, dass sie mit einer Länge bis zu etwa 8 cm zu den größten gehört, sie ist auch häufig und besonders am Wassergarten regelmäßig anzutreffen. Da sie überhaupt nicht scheu ist und sich an der Gegenwart von Menschen nicht sonderlich stört und ihnen relativ nahe kommen kann, hat sich das Vorurteil gebildet, dass diese Libellen angriffslustig sind und stechen. Tatsächlich haben alle Großlibellen einige (bis etwa fünf) Stachel am Hinterleib, mit denen sie Stiche verursachen können, aber dazu muss es zum direkten Kontakt kommen. Das kann aber nur passieren, wenn eine Libelle angefasst wird. Gelegentlich verfliegen sich diese Libellen auf ihren Jagdflügen durch offene Balkon- oder Terrassentüren in Wohnräume. Dies ist sicher kein Grund zur Panik oder zum Totschlagen der Libelle. Am besten lassen sich diese Libellen mit einem Netz fangen, das man auch für den Fischfang oder vielleicht zum Abfischen von Blättern am Gartenteich verwendet. Froh, wieder draußen zu sein, werden die Libellen dort schnell davonfliegen, wenn man sie aus dem Netz entlässt. Die ersten Blaugrünen Mosaikjungfern sind Anfang Juni zu beobachten, aber nur in einem warmen Frühjahr. Die normale Flugzeit beginnt erst Ende Juni. Dafür können diese Großlibellen aber regelmäßig noch im Oktober, in einem warmen Herbst sogar noch im November am Gartenteich beobachtet werden. Sie sind wenig kälteempfindlich und lassen sich auch durch erste Nachtfröste nicht beeindrucken. Was wir aber von diesen Libellen zu sehen bekommen, ist nur die etwas kurzlebige Erscheinungsform des fliegenden Insekts, das sogenannte Imago. Die meiste Zeit seines Lebens führt die Blaugrüne Mosaikjungfer aber ein eher verstecktes Leben im Wasser als 4 cm lange Larve. Dabei sind die erwachsenen Libellen nicht sonderlich wählerisch in der Auswahl der Gewässer, in die die Eier abgelegt werden. Selbst ins austrocknenden kleinen Pfützen können sie massenhaft vorkommen, und in jedem sauberen Gewässer - selbst in Mooren - gehören sie praktisch zum Standardinventar. In neu angelegten Gartenteichen sind sie häufig die ersten Siedler, obwohl sie dort noch nicht allzu viel Nahrung finden. Denn sowohl die Larven als auch die Imagines (das ist die korrekte Mehrzahl von Imago) leben räuberisch. Die Larven sitzen etwas versteckt zwischen Wasserpflanzen, Algen oder Schilfstängeln und lauern auf ihre Beute. Je nach Größe der Larve sind dies kleine Wasserinsekten, später aber auch Jungfische und Amphibienlarven. In stark von Larven besiedelten Gewässern werden es Fische und Amphibien sogar schwer haben, ihren Nachwuchs durchzubringen, aber meist kommen doch noch ausreichend viele hoch. Die Larven verbringen meist zwischen anderthalb und zwei Jahren im Gewässer, an dessen Boden sie überwintern. Deswegen ist beim Absaugen von Mulm und Blättern vom Teichboden besonders auf diese Bewohner zu achten. Manche Schlammsauger saugen den Mulm nicht durch eine Pumpe und behandeln ihn damit schonender. Der Eimer mit dem abgesaugten Mulm darf keineswegs achtlos entleert werden, nicht nur der Libellenlarven wegen! Der Mulm ist entweder durch ein feines Sieb (Maschenweite maximal zwei Millimeter) zu spülen oder dünn auszubreiten. Die zu erkennenden Lebewesen müssen abgesammelt und wieder in das Ursprungsgewässer zurückgesetzt werden. Das sollte schon unser Naturverständnis vorschreiben, nicht nur die Bundesartenschutzverordnung, denn alle Libellen und natürlich deren Larven stehen unter deren Schutz. Dabei sind übrigens Handschuhe zu benutzen, denn die Larven können in vermeintlicher Bedrängnis mit ihren kräftigen Zangen zubeißen. Der restliche Mulm übrigens sollte nicht achtlos weggeworfen werden, sondern es handelt sich um einen sehr wertvollen Dünger, der z.B. auf Beete aufgebracht werden kann. Im Frühjahr passiert dann ein kleines Wunder. Die graubraunen oder grauen, nicht sehr ansehnlichen Larven klettern an geeigneten Stängeln - etwa von Schilf aus dem Wasser, bis sie eine geeignet scheinende Höhe erreicht haben. Dort verhaken sie sich mit den Füßen. Der Rücken reißt auf und aus der nur maximal 5 cm langen, kleineren Larve klettert die deutlich größere Libelle. Durch pumpende Bewegungen wird Blut in die Flügel geleitet. Auf den durchsichtigen Flügeln sind die feinen Blutgefäße leicht zu erkennen. Je nach Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Art dauert es zwei bis vier Stunden, bis die Libelle ihr endgültiges Aussehen erreicht hat und abfliegen kann. Erstaunlicherweise ist es in vielen Teichen so, dass die schlupfreifen Larven eines Gewässers alle innerhalb nur eines oder zweier Tage schlüpfen. Wodurch dieser Massenschlupf ausgelöst wird, was da also als Signal dient, ist noch unbekannt. Die Libellen, die wir dann am Gewässerrand entlang oder auch weit von jedem Gewässer entfernt fliegen sehen, sind nahezu ausschließlich Männchen. Sie leben territorial, d.h. sie verteidigen ihre direkte Umgebung gegen andere Männchen. Das Revier ist aber nicht ortsfest, es wandert praktisch mit den Männchen mit. Sobald sie eines anderen Männchens ansichtig werden, greifen sie es an und versuchen es mit ihrem kräftigen Gebiss zu vertreiben. Natürlich suchen sie, wenn sie am Uferrand entlang fliegen, nicht nur Beute, sondern auch Weibchen bei der Eiablage, mit denen sie sich paaren können. Wenn wir als Beobachter den Eindruck haben, eine Libelle würde alle paar Minuten wieder am Gewässer entlang patrouillieren, dann täuscht dies meist, denn in der Regel sind es verschiedene Männchen, die die gleichen Gewässer auf ihren Beutezügen hintereinander besuchen. Alle Arten von fliegenden Insekten gehören zu ihrer Beute. Die Geschlechter der Imagines sind übrigens nicht sonderlich schwer zu unterscheiden. Selbst im Vorbeiflug erkennt man die blau gefärbten, für alle Libellen typischen blauen Augen sowie den blau gefärbten Hinterleib. Der Leib besteht aus zehn Segmenten, dessen hintere drei beim Männchen diese schöne schwarzblaue Färbung zeigen. Im Spätherbst findet man gelegentlich Imagines, die kurz zuvor abgestorben sind. An ihnen kann man sich genau über das Aussehen dieser faszinierenden Fluginsekten informieren. Die Paarung der Blaugrünen Mosaikjungfer dauert nicht lange und ist nur schwer zu beobachten. Die Partner trennen sich danach wieder und ziehen alleine ihres Weges. Die Weibchen sind meist in Gewässerufernähe anzutreffen, wo sie die Eier bevorzugt in den Schlamm oder an kleinen Holzstücken ablegen, seltener auch an Pflanzen, die an der Wasseroberfläche treiben. Nach einem kurzen Abknicken des Hinterleibs und kurzem Eintauchen werden dort die Eier deponiert. Daraus schlüpfen nach wenigen Wochen dann die Vorlarven, die nach einer Häutung die endgültigen Larven freigeben. Die später überwinternden Larven sind zwischen 1 und gut 4 cm lang. Es gibt zwar noch weitere Arten der Gattung Aeschna, die aber in Deutschland wesentlich weniger häufig als die Blaugrüne Mosaikjungfer sind. Am ehesten bestehen Verwechslungsmöglichkeiten mit der Großen Königslibelle, Anax imperator. Diese hat aber einen gegenüber dem Hinterkörper viel dickeren Vorderkörper, der etwa am Ansatz der Flügel am breitesten ist, während die größte Körperbreite bei der Blaugrünen Mosaikjungfer hinter dem Kopf erreicht ist. In einem größeren Teich mit zahlreichen Fischen, die eventuell Libellenlarven auch noch als Beute betrachten, und wenigen geeigneten Abschnitten wird man allerdings auf die Libellen als Teichzierde eher verzichten müssen. Wer in seinem Gartenteich sowohl den Libellen auf der einen und den Fischen und Amphibien auf der anderen Seite zu ihrem Recht verhelfen möchte, kann aber einen vom Hauptwasser durch eine kleine, wasserdurchlässige Sperre getrennten Wasserbereich, der mindestens 50 cm tief sein sollte und am besten mit Stängelpflanzen - etwa Schilf - bestanden ist, schaffen. Dieser kann dann gezielt Insektenlarven als Heimstatt dienen, und wenn es notwendig ist, können hier Amphibienlarven entnommen und in einen anderen, geeigneteren Bereich des Teichs umgesetzt werden. So kommen beide Bewohnergruppen eines gut funktionierenden Gartenteichs zu ihrem Recht.


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