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Die Blumenbinse im Gartenteich

Butomus umbellatus
Die Binsenblume

Hier und da findet man sie noch an unseren heimischen Gewässern, obwohl sie durch Flussbegradigungen und andere wasserbauliche Maßnahmen, aber auch Krautungen stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Weiß bis rosa leuchten dann im Juni die doldigen Blütenstände der Schwanenblume hoch über dem Blattwerk schwebend. Je nach Region finden wir für diese Pflanze unterschiedliche Trivialnamen. Bekannt sind Blumenbinse, wohl des binsenartigen Blütenstängels wegen, häufig benutzt wird auch (Doldige) Schwanenblume, ein anderer Name ist Wasserliesch. Die von Wasserpflanzengärtnereien erzeugten Varianten werden auch nach der Blütenfarbe z.B. als Sorten „Schneeweißchen" und ,,Rosenrot“ bezeichnet. Der Artname ,,umbellatus" deutet auf die Ähnlichkeit des Blütenstandes mit einer Dolde hin (die frühere Bezeichnung der Doldenblütengewächse war Umbelliferae) und entspricht dem deutschen Wort „Schirm". Der Gattungsname Butomus lautet in der wörtlichen Übersetzung ,,Rinderschneide". Dieser Name wurde der Blumenbinse anscheinend fälschlich zugeordnet, denn die Art besitzt keine so scharfkantigen Blätter, dass sich Rinder beim Trinken am Gewässer daran verletzen können. Derartige Verletzungen entstehen, wenn man mit einigen scharfkantigen Sumpfgräsern unvorsichtig umgeht. Die für die Scharfkantigkeit verantwortlichen Kieselsäureeinlagerungen in den äußeren Zellschichten sind bei verschiedenen Gräsern anzutreffen. Da es sich bei Butomus umbellatus um eine euryöke Art mit recht guter ökologischer Amplitude handelt, ist sie glücklicherweise noch verhältnismäßig häufig zu finden.

Systematik der Blumenbinse

Die Familie der Wasserlieschgewächse (Butomaceae) umfasst je nach Auffassung vier oder fünf Gattungen mit dreizehn Arten. Von manchen Botanikern wird die Gattung Hydrocleis, zu der der Wassermohn Hydrocleis nymphoides gehört, der FamiIie Limnocharitaceae zugeordnet. De Wit (1990) und auch Casper und Krausch (1981) zählen jedoch Hydrocleis zu den Butomaceen. In Europa ist, folgt man der zuletzt genannten Auffassung, nur die monotypische Gattung Butomus mit der Art Butomus umbellatus L. beheimatet. Eine kleinere Pflanze, die als Butomus junceus Turczaninov benannt wird und im zentral- und ostasiatischen Raum beheimatet ist, gehört wahrscheinlich zu Butomus umbellatus. Nach Cook (1990) sind die in Nordamerika vorkommenden Bestände der Blumenbinse eingebürgert worden. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass in Schweden triploide Klone gefunden worden sind. Die triploiden Butomus umbellatus vermehren sich über am Blütenstand entstehende Bulbillen, also nicht nach Bestäubung. In Fließgewässern können Pflanzen gefunden werden, die bis zu 270 cm lange flutende Blätter bilden. Diese Blätter sind als Primärblätter anzusehen. Dieser Ökotyp wird als „var. vallisneriifolia" benannt, das hat aber keinen systematischen Wert. An verschiedenen Fundorten habe ich Sippen mit unterschiedlich gefärbten Kronblättern gesammelt. In keinem Falle kamen jedoch die weiße und die rosa Form gleichzeitig vor.

Biologie und Ökologie von Butomus umbellatus

Die Blumenbinse ist eine ausdauernde Wasserpflanze, die durchaus vorübergehende Trockenphasen überstehen kann. Das dicke, kriechende Rhizom besitzt oberseits zweizeilig angeordnete Blätter, die an der Rhizomspitze zu einer Rosette zusammengedrängt sind. Die dreikantigen Blätter können bis zu 120 cm hoch werden und sind an der Basis bis zu 10 mm breit. Sie werden zur Spitze hin gleichmäßig schmaler. Der Blütenstandsstiel wächst immer über die Blattrosette hinaus. An einer Pflanze entsteht gleichzeitig meist nur eine Infloreszenz (blühender Sprossabschnitt), in Folge nicht mehr als zwei bis drei. Die endständigen Scheindolden enthalten bis zu 30 Einzelblüten an bis 12 Zentimeter langen Blütenstielen. Die Blüte besteht aus sechs Perigonblättern, von denen die äußeren drei unter den inneren, deutlich größeren, verborgen bleiben. Die weißen bis rosafarbenen zwittrigen Blüten bilden viele Samen. Im tieferen Wasser wachsende Pflanzen und die Flutform blühen meist nicht. Eine effektive Vermehrung erfolgt auch durch die reichlich am Rhizom entstehenden Brutknollen. Lange ungestört an einer zusagenden Stelle wachsende Bestände werden bald sehr dicht. Pott (1992) beschreibt für Butomus umbellatus eine eigene Pflanzengesellschaft, das Butometum umbellati Konczak 1968 oder Schwanenblumen-Röhricht. Diese Pflanzengesellschaft ist nicht sehr konkurrenzstark und kann von invasiven Arten schnell verdrängt werden. Ich habe die Blumenbinse vor allem an den Rändern von Großseggenrieden und Phragmites-Gesellschaften angetroffen. Dominanzbestände kamen nur dort vor, wo nahezu keine Konkurrenzpflanzen das Wachstum beeinträchtigten. Eine besonders schöne Population besiedelte einen flachen, langsam strömenden Tieflandsbach mit etwa 20 bis 30 Zentimetern Wasserstand. Hier stand die Art großflächig solitär. Gemeinsam, aber räumlich getrennt, wuchsen große Polster der Brunnenkresse, der Sumpfschwertlilie Iris pseudacorus und am Bachrand des Wasserschwadens Glyceria maxima sowie des Aufrechten und des Ästigen lgelkolbens. Leider fällt dieser Biotop regelmäßig wiederkehrenden Krautungsmaßnahmen (Sohlenkrautungen) zum Opfer. Nach wenigen Jahren entstehen aber diese Pflanzengesellschaften wieder neu. Ähnlich wie die Krebsschere Stratiotes aloides benötigt Butomus umbellatus zum guten Wachstum basenreiche Gewässer. Basenreich ist in diesem Zusammenhang so zu verstehen, daß eine gute Hydrogenkarbonatpufferung des Wassers nötig ist. Ich hatte den Eindruck, dass gerade dort die Pflanzen besonders groß und blühstark waren, wo überreich Nährstoffe zur Verfügung standen. Im Gegensatz zu reinen Wasserpflanzen macht der Blumenbinse auch die damit oft verbundene stärkere Wassertrübung nichts aus. Ärmere Boden bringen nur relativ kleine Pflanzen hervor. Damit die Bestände reich blühen, ist eine ungehinderte Sonneneinstrahlung nötig.

Die Blumenbinse im Gartenteich

Gartenteiche sind in der Regel nicht besonders groß, und damit sollte sich die Anzahl der zu verwendenden Pflanzenarten erheblich beschränken. Der Pflegeaufwand für Gartenteiche, die mit starkwüchsigen, meist Ausläufer bildenden, invasiven Pflanzen besetzt worden sind, wird nach wenigen Jahren erheblich. Die Blumenbinse zählt nicht zu diesen Pflanzen. Werden einige starke Endknospen eines Rhizoms in den Bereich des flachen Ufers bis etwa 30 cm Wasserstand gebracht, kann man schon im folgenden Jahr mit den ersten Blüten rechnen. Dichte Bestände entstehen allerdings erst nach ein paar Jahren. Die Teilung der Bestände zur Vermehrung ist am besten dann vorzunehmen, wenn die Pflanzen noch Blätter haben. Man hebt eines der stark verzweigten Rhizome aus dem Wasser und entfernt weitgehend die Wurzeln und Blätter, um Fäulnis zu verhindern. Der beste Zeitpunkt ist nach der Blüte, also Ende Juli bis August, oder dann, wenn die ersten Blattspitzen im Frühling erscheinen. Ich musste wiederholt beobachten, dass meine Pflanzen aus dem Gartenteich viel früher abstarben, als das an den Naturstandorten der Fall war. Es fing damit an, daß die Blätter braunfleckig wurden, um in den darauf folgenden Wochen völlig einzuziehen. Vergleichbare Bestände an Naturstandorten waren dagegen noch völlig grün. Ähnliche Erscheinungen kenne ich auch von anderen Gartenteichformen bekannter Wasserpflanzen, wie Alisma plantago- aquatica oder auch Sagittaria sagittifolia. Ich vermute, dass sich verändernde Bedingungen des abgeschlossenen Areals Gartenteich Ursache dieser Erscheinung sein können. Obwohl es schwierig ist, dafür den Nachweis zu führen, sind auch manche Wasserpflanzengärtner der Auffassung, eine Ursache könnte Mangel an bestimmten essentiellen Nährstoffen sein und kräftige Düngung könne Abhilfe schaffen. Nach der übereinstimmenden Meinung fast aller Autoren zum Themenkreis Gartenteiche und auch nach meinen eigenen Erfahrungen können Düngergaben allerdings etwas problematisch werden. ln meinem Teich steht allen Pflanzen der gleiche lehmige Kies als Bodengrund zur Verfügung. Dass die Annahme möglichen Nährstoffmangels doch zu überdenken ist, glaube ich allerdings aus der Messung wasserchemischer Parameter ableiten zu können. Der Messwert der elektrischen Leitfähigkeit sank in meinem Teich innerhalb von drei Jahren von 750 pS/cm auf 320 pS/cm. Bedenke ich dabei, dass ein grober Richtwert sagt, dass bei normal gepuffertem Leitungswasser 30 pS/cm etwa 10 KH entsprechen, musste ich also, ohne mich auf eine genaue Zahl festlegen zu wollen, davon ausgehen, dass die Pufferung und damit der Basenreichtum, also der Mineralgehalt des Gewässers, zurückgegangen ist. Dieses ist zum Teil der biogenen Entkalkung zuzuschreiben, die dann auftritt, wenn durch verstärkte Assimilation Kohlendioxidmangel auftritt und im Wasser gelöstes Kalziumhydrogenkarbonat als Kohlendioxidquelle genutzt werden muss. Ein Teil der dem Wasser auf diese Weise entzogenen Salze wird dem Stoffkreislauf später auf dem Wege des mikrobiellen Abbaus von abgestorbenen Pflanzenteilen und der Rücklösung von Salzen wieder zugeführt. Weit größere Bedeutung hat die laufende Verdünnung durch das Regenwasser. Die normale Niederschlagstätigkeit in unseren Breiten bringt jährlich ca. 800 Millimeter Niederschlag mit zunehmender Tendenz, das bedeutet 800 Liter Wasser/m2 . Bedenkt man, dass Regenwasser nahezu mineralfrei ist, wird klar, dass bei alleiniger Wasserzuführung über den Niederschlag der Mineralgehalt des Teichwassers immer geringer wird (vergleiche dazu die Regenmoore). Verfolgt man diesen Gedankengang zu Ende, wird es klar, dass bestimmte Pflanzen unter den sich derart verändernden Bedingungen irgendwann an einem Punkt ankommen, an dem ihre ökologische Valenz erschöpft ist. Hinzu kommt, dass derart veränderte Kulturbedingungen die Anfälligkeit gegenüber parasitären Pilzen erhöht. Gerade Schlauchpilze befallen gern Überwasserteile geschwächter Pflanzen des Gartenteichs. Um das zu umgehen, ist es in nur von Regenwasser gespeisten Gartenteichen nötig, von Zeit zu Zeit den Mineralgehalt des Wassers aufzufrischen. Dieses geschieht entweder durch einen ganz normalen Teilwasserwechsel aus der Leitung oder durch die Zugabe von Kalziumkarbonat in Form von Kalkstein. Das Teichwasser löst dann die benötigte Menge weitestgehend allein. Der Vorgang der Entmineralisierung dauert jedoch erfahrungsgemäß einige Jahre. Beobachtet man das Wuchsverhalten seiner Wasserpflanzen und vergleicht mit ihren ökologischen Bedürfnissen und den im Teich vorgefundenen Bedingungen, kann rechtzeitig regulierend eingegriffen werden. Butomus umbellatus zeigt beizeiten an, wo die Grenzen der Toleranz liegen. Unabhängig von allen Erwägungen ist die Blumenbinse vor allem eine sehr schöne Pflanze für den Gartenteich und deshalb uneingeschränkt empfehlenswert.


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