Nächster Versand in
:
:
¹
Blog
Facebook
Über Garnelio
Garnelio Team
Beitrag teilen:

Egel Blutsauger im Gartenteich

Egel, so manchen schüttelt es schon, wenn er nur den Namen hört. Keiner möchte sie eigentlich im Gartenteich haben. Denn mit diesem Namen sind die Blut saugenden „Würmer" verbunden, von denen fast jeder schon einmal gehört hat, die aber kaum jemand bislang selbst gesehen hat. Egel kommen aber in nahezu allen länger eingerichteten Gartenteichen vor. Aber kein Grund zur Panik: Nur eine der Egelarten ist auf menschliches Blut aus.

In Deutschland kommen etwa 25 Arten von Egeln in vier Familien vor. Sie gehören zu den Gürtelwürmern, den Clitellata. Egel haben keinerlei Borsten, Tentakel oder sonstige Anhängsel. Ihr Körper besteht aus 33 Segmenten, die in zwei bis 14 Ringe untergliedert sind, an beiden Seiten von einem Saugnapf begrenzt. Der vordere Saugnapf umschließt das Maul, der hintere Saugnapf besteht aus sieben Segmenten, über ihm sitzt der After. Auf der Oberseite des Kopfes sitzen, kaum zu sehen, ein bis zehn Augenpaare. Diese sind nicht unbedingt arttypisch, auch innerhalb einer Art kann es durch Reduktion oder Verschmelzung zu einer Verringerung der Augenzahl kommen. Körperform und -länge können stark variieren, zum einen abhängig vom Ernährungszustand, zum anderen können sich die Egel zusammenziehen und auch strecken. Die Saugnäpfe spielen bei der Fortbewegung eine wichtige Rolle. Mit ihnen bewegen sich die Egel, wie wir es von Spannerraupen kennen. Der hintere Saugnapf wird herangezogen, der Egel krümmt sich dabei, dann wird der vordere weit nach vorne gesetzt, erstreckt sich. Manche Egel können auch durch das Wasser schwimmen. Dabei führt der Körper wellenförmige Bewegungen aus. Zur Fortpflanzung werden maximal zwei Egel benötigt da sie Zwitter sind. Fast alle Egel legen sich dazu aneinander, nur wenige befruchten sich selbst. Die Segmente neun bis 11 werden dabei zusammengebracht. An ihnen wird ein Sekret abgegeben, das die Partner aneinander haften lässt, aber dem auch die Kokons gebildet werden, in denen bei zahlreichen Arten die Jungegel heranreifen. Allerdings betreiben manche Egel auch Brutpflege und tragen die Kokons oder die Eier und anschließend die Jungegel auf dem Körper mit sich.

 

Paarung

Während der Paarung dient dem einen Egel eine ausstülpbare Körpertasche als Spermientransporteur, die vom anderen Egel in einer kleinen Spaltöffnung aufgenommen wird. Egel atmen durch ihre derbe Haut. Durch den häufigen Bodenkontakt sowie die Atmung verbraucht sich die Haut rasch und wird alle paar Tage erneuert. Aufgrund ihrer Fortbewegungs- und Lebensweise bevorzugen Egel nur stehende und langsam fließende Gewässer, allerdings werden saure Gewässer wie Moore vermieden. Am liebsten haben sie einen stark gegliederten Gewässergrund, an dem sie sich gut anhalten können. Etwa 3/4 der bei uns vorkommenden Egel sind Blutsauger, die anderen leben räuberisch. Dabei kommt es aber auch vor, dass diese ihre Beute vollständig aussaugen, die Übergänge sind also fließend. Wenn sie einmal gefressen haben, können sie in der Regel monatelang ohne Nahrung auskommen. Das kann bis zu anderthalb Jahre dauern. Egel können recht alt werden. Ein Höchstalter von mindestens 15 Jahren ist etwa für den Medizinischen Blutegel verbürgt, dieser kann aber wahrscheinlich sogar 20 Jahre alt werden. Damit wären wir auch bereits bei der bekanntesten und größten bei uns vorkommenden Egelart, dem Medizinischen Blutegel, Hirudo medicinalis. Er kann bis 25 cm lang werden, erreicht meist aber nur 10 - 15 cm. Die Färbung ist recht variabel und kann einheitlich dunkelrot oder braun sein, aber auch deutlich hellere Streifen aufweisen. Der Blutegel lebt vor allem vom Blut von Säugetieren und befällt auch den Menschen. Dabei wird eine medizinisch wirksame und die Blutgerinnung hemmende Substanz abgegeben, das Hirudin. Da der Blutegel bei uns durch die Zerstörung und Verschmutzung vieler seiner Heimatgewässer fast ausgestorben ist, wurde für die in den letzten Jahrzehnten stark zunehmende medizinische Nutzung ein nahe verwandter ungarischer Blutegel eingeführt, Hirudo verband. Er unterscheidet sich durch die Färbung am Bauch, die bei unserem Blutegel gefleckt, beim ungarischen Verwandten jedoch hell ist. In der Medizin werden wegen der Seltenheit der Nominatform fast nur noch ungarische Blutegel verwendet. Blutegel sind die einzigen unserer Egel, die in der Lage sind, die menschliche Haut zu durchdringen. Dazu haben sie drei sternförmig angeordnete, scharfe Kiefer im Maul. Sie brauchen etwa eine Stunde, bis sie sich vollgesaugt haben und dann abfallen. In dieser Zeit können sie ihren Körperumfang auf ein Mehrfaches anschwellen lassen und das Zehnface des vorherigen Gewichts erreichen. In der Medizin werden aber nicht etwa Menschen zum Füttern der Egel den Zuchtanlagen benutzt, sondern eine mit Blut gefüllte Schweinsblase.

Die Fortpflanzung geschieht wie bereits beschrieben. Die Eikokons werden zwischen Juni und Oktober in feuchte Erde gelegt. Sie enthalten bis zu 30, meist aber nur fünf bis 15 Eier. Nach vier bis fünf Wochen schlüpfen die Jungen die sich zuerst räuberisch ernähren. Allerdings können spät abgelegte Eikokons auch bis zum nächsten Frühjahr überwintern, so dass auch im zeitigen Frühjahr Jungegel auftreten können. Die Geschlechtsreife erreichen die Egel, nachdem sie zum ersten Mal Blut gesaugt haben. Dann sind sie bereits drei Jahre alt. Eine relativ ähnliche und auch mit bis zu 15 cm Länge recht groß werdende Art ist der Pferdeegel, Haemopsis sanguisuga. Er hat seinen Namen erhalten, weil er auch schon die Nüstern trinkender Pferde befallen hat. Gelegentlich saugt er sich auch am Menschen an, kann aber mit seinen viel schwächeren Zähnen die Haut nicht durchstoßen und deshalb einfach abgenommen werden. Auf der Oberseite sind Pferdeegel braun bis grünschwarz, während die Unterseite heller mit Flecken ist. Jungtiere sind meistens dunkel gefleckt. Pferdeegel gehen nachts häufiger als andere Arten an Land und können deswegen auch im Uferbereich gefunden werden, wo sie auch, etwa unter Steinen, überwintern. Der bis 12 mm lange und neun mm breite Eikokon enthält meist fünf Eier, aus denen nach sechs bis acht Wochen die Jungen schlüpfen. Diese sind nach etwa einem halben Jahr geschlechtsreif.

Der Pferdeegel ist nicht wählerisch, was seine Heimatgewässer angeht, und besiedelt neben allen Arten von langsam fließenden und stehenden Gewässern auch solche Tümpel, die zeitweilig austrocknen, da er sich aktiv auf Land fortbewegen kann. Er ist im Gartenteich nicht selten, stellt aber höchstens für die anderen Teichbewohner eine Gefahr dar, keinesfalls für den Menschen. Seine Hauptnahrung besteht aus Wirbellosen, aber auch kleine Molche, Kaulquappen und anderen Amphibien werden gelegentlich erbeutet. Versuche im Aquarium zeigten, dass selbst Hackfleisch und Käse als Nahrung angenommen wurden. In Fischteichen, aber auch in Gartenteichen mit Fischbesatz gar nicht so selten ist der 15 bis 80 mm lang werdende Gemeine Fischegel, Piscicola geometra. Man kann ihn mit keinem anderen Egel verwechseln, denn er ist auch vollgesogen recht schlank und mindestens 15 Mal so breit wie lang. Auf dem grünen oder braunen Körper befinden sich in regelmäßigen Abständen helle Kreise, die mal mehr, mal weniger gut sichtbar sind. Der Endsaugnapf ist breiter als die breiteste Körperstelle. Während die meisten anderen Egel eher nachtaktiv sind, zeigen sich die Fischegel auch häufiger tagsüber. Es sind gute Schwimmer.Fischegel saugen mehrere Tage, manchmal bis zu einem Monat an ihrem Wirt. Danach können sie bis zu einem halben Jahr hungern. Sie können ihre Wirte geradezu massenhaft befallen, auf einem großen Karpfen wurden bereits annähernd 100 dieser Egel gefunden. Fischegel sind nicht ganz harmlos, denn sie können verschiedene Krankheiten, etwa Bauchwassersucht, übertragen. Deswegen sollten Fischegel im Gartenteich bekämpft werden. Dazu werden die Fische, wenn möglich, kurzzeitig in ein Salzbad gesetzt, das 15-20 g/l normales Kochsalz enthält und nicht länger als 20 Minuten dauern soll, 10 Minuten sollten auch reichen. Auch ein Kurzbad mit Lysol (2 ml auf 1l Wasser, 5 Sekunden Wirkzeit) soll helfen. Lassen sich die Fische nicht fangen, sollte ein auf Fischkrankheiten spezialisierter Tierarzt aufgesucht werden, der verschreibungspflichtige oder schwierig zu dosierende Mittel wie einige gut auf Außenparasiten wirksame Phenolderivate ins Wasser verabreichen kann. Da dadurch aber auch viele andere Kleinstlebewesen und Niedere Tiere getötet werden, darf dies nur die ultima ratio sein. Ebenfalls an Fischen parasitieren kann der Gesäumte Plattegel, auch als Platter Fischegel bezeichnet, Hemiclepsis marginata, der aber auch an Amphibien und selten an Wirbellosen saugt. Er wird nur bis 30 mm lang. Sein grünlicher oder gelbbrauner Körper ist mit sieben Reihen gelber Flecken geschmückt. Wenn sie sich an den Untergrund schmiegen, können sie sehr breit werden, daher der Name Plattegel. Diese Egel saugen nur zwei bis drei Tage Blut auf einem Fisch und können danach fast ein Jahr hungern. Der Gesäumte Plattegel betreibt Brutpflege. Die 200 Eier werden auf einem festen Substrat abgelegt und dort vom Weibchen durch Wedeln (dabei sind sie nur mit dem hinteren Saugnapf angeheftet) mit Fischwasser versorgt. Bei etwa 20 °C schlüpfen die Jungen nach etwa einer Woche. Danach saugen sie sich an der Bauchseite der Mutter fest und werden noch einen guten Monat von dieser herumgetragen. Auch dieser Egel sollte in Gartenteichen mit Fischen bekämpft werden, die Methoden sind die gleichen wie beim Gemeinen Fischegel. Den zuerst vorgestellten Egeln nicht ganz unähnlich ist der Hundeegel, Erpodbella octoculata, der bis zu 60 mm lang werden kann. Durch seine hohe farbliche Variabilität ist er nicht leicht zu beschreiben, denn er kann gelblich, bräunlich oder grünlich mit einem mehr oder weniger starken dunklen, feinen Fleckenmuster sein. Typisch für ihn ist, dass er sich häufig zusammenrollt. Er ernährt sich von kleinen Wirbellosen und ist ein harmloser Teichgast. Die flachen, ovalen Eikokons, die wenige Eier enthalten, werden auf Steinen oder Pflanzen abgelegt. Die Kokons sind bräunlich transparent, die Jungenentwicklung ist deswegen gut zu erkennen. Bei höheren Wassertemperaturen im Sommer schlüpfen die Jungen schon nach drei Wochen, ist das Wasser kühler, kann es deutlich länger dauern.

Ein relativ interessanter, aber nur in Gartenteichen mit Entenbesatz oder gelegentlich einfliegenden Enten vorkommender, relativ breit wirkender Egel ist der Entenegel, Theromyzon tessulatum, der etwa 50 mm groß wird. Er braucht für seine Entwicklung unbedingt Enten als Wirte und setzt sich meist im Nasen- und Rachenraum fest. Dort saugt er dann Blut und lässt sich wieder ins Wasser fallen. Entenegel werden durch die von den Enten ausgelösten Wasserbewegungen angelockt und lauern, wenn sie hungrig sind, oft dicht unter der Wasseroberfläche. Entenegel müssen dreimal Blut saugen, erst dann erreichen sie die Geschlechtsreife. Die Paarung kann mehrere Tage dauern. Die zwei bis sechs birnenförmigen Kokons werden am Bauch der Mutter befestigt. In jedem sind zwischen 10 und bis zu etwa 150 Eier. Nach etwa einer Woche schlüpfen die Jungen und bleiben dann noch bis zu drei Monate auf der Unterseite der Mutter. Diese Egel können etwa dreieinhalb Jahre alt werden. Zwei weitere, ebenfalls gelegentlich im Gartenteich anzutreffende Egel, sind der Kleine und der Große Schneckenegel, Glossiphonia heteroclita und G. complanata. Ersterer wird etwa 15 mm, letzterer bis etwa 35 mm groß. Wie bereits für den Entenegel beschrieben, tragen auch hier die Mütter die Jungen eine Zeitlang mit sich herum. Allerdings verlassen sie die Mutter bereits nach etwa drei Wochen. In dieser Zeit saugen sie aber schon mit der Mutter zusammen an der Beute. Das sind nur die am häufigsten in unseren Gewässern und auch Gartenteichen vorkommenden Egel. Die anderen Arten sind seltener und nur zufällig auch im Teich anzutreffen. Hier sollten diese heimlichen Gartenteichbewohner, die manchmal unangenehm, manchmal schädlich, meist aber harmlos sind, etwas genauer vorgestellt werden, damit nicht nur ein einfaches ,,Iiih" bei ihrem Anblick zu hören ist, sondern man sich diese ungewöhnlichen Lebewesen intensiver anschaut. Auch die Haltung in einem kleinen Aquarium zur genaueren Beobachtung ist bei den meisten Arten problemlos, wodurch man mehr über Egel erfahren kann.


Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

Immer die besten Angebote per E-Mail

JETZT kostenlos anmelden und Sparen!