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Ein seltener Gast am Teich Die Ringelnatter Natrix natrix

Die Ringelnatter Natrix natrix

Schlangen gehören zu jenen Tieren, vor denen der Mensch im Allgemeinen Ekel oder Frucht empfindet. An dieser Abneigung haben Schlangenarten, die für ihren Giftbiss berüchtigt sind, aber nicht die alleinige Schuld. Schlangen passen, wie z.B. auch Spinnen, nur nicht in unser menschliches Naturbild. Wir haben unsere eigenen Vorstellungen von schön oder hässlich, nützlich, schädlich, eklig usw. und tun den Schlangen damit ziemlich Unrecht. Andererseits wird den Schlangen aber auch eine große symbolhafte Kraft zugeschrieben. Vielleicht aus dem Grund, dass sie ihre alte unansehnliche Haut abwerfen können und dann wieder frisch und jung erscheinen. In früheren Zeiten stellten Bauersfrauen den Ringelnattern eine Schale mit Milch hin, denn die ,,Schlangen mit der goldenen Krone" (zwei charakteristische gelbe Halbmondflecken am Hinterkopf zeichnen die Schlange eindeutig als harmlose Ringelnatter aus) galten als Glücksbringer für Haus und Hof. In vielen Religionen werden Schlangen sogar als Gottheiten verehrt. Sie gelten als Schutzgeist oder heilige Tiere und die sich um einen Stab windende Äskulapnatter ist auch heute noch das Standessymbol der Ärzteschaft.

Ringelnattern hören schlecht und riechen mit der Zunge

Die Ringelnatter ist ein äußerst scheues Tier. Sie reagiert aber weniger auf Geräusche, sondern vornehmlich auf Bewegungen, Erschütterungen und Gerüche. Sie besitzt die bekannten Sinne zum Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Tasten. Dabei sind aber nur der Tast- und Geruchssin besonders ausgeprägt. Wie viele Schlangenarten hört die Ringelnatter nicht besonders gut. Sie besitzt keine äußeren Ohren.Der einzige Gehörknochen ist an ihrem Kiefer befestigt und nicht am Trommelfell. Sie kann niederfrequente Töne wahrnehmen, höhere Frequenzen aber liegen außerhalb ihres Hörbereichs. Dieses Wahrnehmungsdefizit gleicht die Ringelnatter mit ihrer Zunge aus. Mit der gespaltenen Zunge, die ihr aus dem Maul fährt, nimmt sie feinste Geruchsbotschaften aus der Luft auf und führt sie beim Zurückziehen in eine Riechgrube am Gaumen. In dieser Riechgrube, dem so genannten Jacobsonschen Organ, werden die Gerüche analysiert und die Schlange weiß, ob ein Feind, ein Geschlechtspartner oder ein Beutetier in ihrer Nähe ist. Wie alle Schlangen hat auch die Ringelnatter den typischen, starren Schlangenblick, da ihr die Augenlider fehlen.

An warmen Sommertagen ist die Schlange quicklebendig

Die Ringelnatter bewegt sich an Land mit erstaunlicher Geschwindigkeit, kann ohne Schwierigkeiten Bäume und Sträucher erklimmen, ist eine geschickte Schwimmerin und taucht ausdauernd. Als wechselwarmes Tier hängt ihre Beweglichkeit aber von der Tagestemperatur ab. Je wärmer es ist, umso lebhafter wird die Schlange. An kühlen Tagen zieht sie sich in ihr Versteck zurück.

Die Ringelnatter ,,fährt aus der Haut"

Männliche Ringelnattern können bis ca. 90 cm lang werden, weibliche Tiere erreichen zuweilen die stattliche Länge von 1,5 m. Um wachsen zu können, müssen sich die Schlangen mehrmals häuten. Bei dieser Häutung wird die verhornte Oberhaut in einem Stück abgestreift. Eine bevorstehende Häutung kündigt sich durch eine leicht milchige Trübung der Augen an. Diese Trübung hat ihre Ursache in einem Flüssigkeitsfilm, der sich zwischen der brillenartigen alten und der neuen Hornschuppe über dem Auge bildet. Bei der Häutung platzt zunächst die alte Körperhaut an der Oberlippe auf. Dann bewegt sich die Schlange so lange zwischen Grashalmen oder Zweigen, bis die Körperhülle als Ganzes, als so genanntes ,,Natternhemd", zurückbleibt.

Misthaufen als Brutkammer

Nach der Winterruhe (Mitte April/Anfang Mai) häuten sich die Ringelnattern zum ersten Mal im Jahr. Dann beginnt die Paarung. An geeigneten Paarungsplätzen versammeln sich die Schlangen oft in größerer Zahl, wobei die Männchen überwiegen. Jedes Männchen versucht, auf den Rücken eines Weibchens zu gelangen, und haben seine Bemühungen Erfolg, beginnt der Paarungsakt, der sich über Stunden hinziehen kann. Werden die Partner dabei gestört, ergreift das kräftigere Weibchen die Flucht und zieht das mit ihm verbundene kleinere Männchen hinter sich her. Im Juli oder August erfolgt dann die Eiablage. Bevorzugte Ablageplätze für die Eier sind Schilf-, Mist- oder Laubhaufen, aber auch Kompostmieten oder modernde Baumstümpfe. Die Eiablageplätze müssen nur genügend Eigenwärme entwickeln und damit die Brut fördern. Solche Eiablageplätze, in denen die dünnhäutigen Gelege nicht austrocknen können und gegen starke Temperatur- schwankung geschützt sind, werden oft von mehreren Weibchen zur Eibablage genutzt und man kann dort auf Gemeinschaftsgelege von mehreren hundert aneinander klebenden Eiern stoßen. Ein Weibchen legt in der Regel 20 bis 30 der etwa 20 bis 40 mm großen Eier. Abhängig von der jeweils herrschenden Umgebungstemperatur schlüpfen dann nach vier bis acht Wochen die jungen Ringelnattern. Sie sind etwa 15 bis 18 Zentimeter lang und sofort selbstständig. Zunächst ernähren sie sich von Kaulquappen, Molchlarven u.ä. und nach einem halben Jahr erbeuten sie bereits kleinere Frösche und Fische.

Ringelnattern verschlingen ihre Beute unzerteilt und lebend

Neben Fröschen und Fischen frisst eine erwachsene Ringelnatter Molche, Kröten, Blindschleichen, Wühlmäuse und gelegentlich auch Aas. Sobald sie eine Beute ausgemacht hat, beginnt sie lebhaft zu züngeln und das Riechorgan gibt ihr Auskunft über die Art des Futtertiers. Dann stößt sie blitzschnell zu, ergreift das Opfer an irgendeinem Körperteil und beginnt es zu verschlingen. Die Natter kann ihre Beute nicht kauen oder zerkleinern. Kiefer, Schlund und Haut sind aber extrem elastisch, so dass auch ein großes Beutetier Milimeter für Milimeter in den Schlund der Schlange rutscht.

Gegen Feinde ist die Ringelnatter machtlos

Ringelnattern haben zu Lande und im Wasser zahlreiche Feinde. Ihre Hauptfeinde an Land sind Greifvögel, Iltisse, Störche und Reiher. Im Wasser sind es Raubfische wie Barsche oder Hechte. Fühlt sich die Ringelnatter bedroht, beginnt sie zu züngeln, zu zischen oder stößt mit dem Kopf nach vorn, um einen Giftbiss vorzutäuschen. Wird sie dennoch angegriffen, scheidet sie zuweilen ein stinkendes Sekret aus ihrer Analdrüse aus oder sie bildet ein Knäuel, in dem sie ihren Kopf versteckt. Eine weitere Schutzgebärde ist das Totstellen. Dabei dreht sich die Natter auf den Rücken und wird völlig schlaff. Sie verdreht die Pupillen, öffnet das Maul und lässt die Zunge heraushängen. Mitunter können dabei sogar ein paar Blutstropfen aus den Mundwinkeln austreten. Mit dieser zweifelhaften Abwehrstrategie versucht die Ringelnatter, Feinde von einem Angriff abzuhalten.

Ringelnattern am Gartenteich

Wenn sich eine Ringelnatter an unserem Gartenteich einfindet, ist es eigentlich eine Auszeichnung. In der Regel wird es sich um einen natürlich gestalteten Teich in einem Garten mit Naturcharakter handeln. Ein solcher Garten ist eine Einladung an frei lebende Tiere, die ihn durch ihr Erscheinen erst lebendig machen. Die behände Ringelnatter wird sicher den Amphibien und Fischen in unserem Teich nachstellen und wenn sie tatsächlich ein Futtertier erwischt, sollten wir es ihr gönnen. Wir werden feststellen, dass die Schlange kein gefräßiger Räuber ist. Hat sie einen ausgewachsenen Frosch verschlungen, reicht ihr diese Nahrung für ca. eine Woche. Ringelnattern gehören zu den geschützten Tierarten. Sie verlieren unaufhaltsam ihre angestammten Reviere und suchen neue Lebensräume, auch in unseren Gärten. Durch Boots- und Badebetrieb an Seen und Flüssen, Verschmutzung und Trockenlegung vieler Feuchtgebiete, Straßenbau und intensiv betriebene Landwirtschaft gehen die Bestände der friedlichen Schlangen zurück. Auch in Revieren, in denen es den Ringelnattern noch gut zu gehen scheint, werden oft schon Veränderungen zum Schaden der Reptilien sichtbar. Am Dorfteich von Roscice (wo die Aufnahmen zu diesem Bericht entstanden) fühlt man sich in eine längst vergangene, romantische Idylle zurückversetzt. Neben Ringelnattern sieht man hier Silberreiher, Eisvögel, Zwergtaucher, Laubfrösche oder Rotbauchunken. Die Bauern in Roscice (Westpolen) bestellen die Felder noch nach Art ihrer Väter. Sie halten sich ein paar Kühe, Ziegen, Gänse oder Hühner, die am Teichrand scharren. Mit dem Eintritt Polens in die EU geht es den Kleinbauern aber noch schlechter als früher. Die eingeführten Agrarprodukte sind jetzt billiger als jene, die auf ihren Feldern wachsen, und die traditionellen Landwirtschaftsbetriebe müssen neue Wege gehen, um dem Konkurrenzdruck standzuhalten. Vom Dorfrand her kommt der Lärm monströser Maschinen: die andere Seite der EU-Erweiterung Großunternehmen bauen die neue Autobahn in Richtung Breslau. Die Verkehrsplanung sieht erstmals eine Abfahrt in Roscice vor, die schon in den ersten Bauabschnitten fertig ist. Noch werden die Ringelnattern im Dorfteich von den sich abzeichnenden Veränderungen nicht beeinträchtigt. Aber bisher war es noch immer so, dass der Fortschritt auf die Tierwelt keinen guten Einfluss hatte.


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