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Ein tauchender Singvogel am Gartenteich

Die Wasseramsel

Singvögel nutzen das Wasser meist nur zum Reinigen ihres Gefieders, wenn sie nach einem Regenguss in einer Pfütze duschen oder im Uferbereich eines Teiches baden. Es gibt nur wenige Singvögel, die sich zur Nahrungssuche direkt ins Wasser vorwagen. Wahre Tauchkünstler finden sich unter den weltweit vier oder fünf der Wasseramseln, von denen eine Art, Cinclus cinclus, in Europa zu beobachten ist.

Die europäische Wasseramsel findet man in den Tälern schnell fießender Bäche und Flüsse, die chemisch nicht verschmutzt sein dürfen, steinige Gründe besitzen und vor allem klares Wasser aufweisen. Da die Vögel im Winter nicht wegziehen, werden Fließgewässer genutzt, die nicht zufrieren. Bäche mit großen Steinen und Ufergehölzen werden bevorzugt. Hier taucht der amselgröße Vogel in der Strömung nach Nahrung, die er zwischen den Steinen, im Wassermoos, und zwischen Wurzeln sucht. Dabei läuft die Wasseramsel geschickt am Grund gegen die Strömung an. Der Kopf wird leicht nach vom und unten gehalten, so dass das Wasser über den Rücken schießt und den Vogel zusätzlich an den Gewässergrund drückt. Die kräftigen Beine werden dabei gegen die Strömung gestemmt. Als Nahrung dienen Insektenlarven, Wasserinsekten, Weichtiere, Fischbrut und Kaulquappen sowie größere Kleinkrebse wie Gammariden. Natürlich werden dabei auch Pflanzenteile verschluckt. Alle unverdaulichen Bestandteile werden jedoch als Gewölle wieder ausgespuckt.

Erkennungszeichen

Der Beobachter erkennt die Wasseramsel zuerst und von weitem an der weißen Kehle. Oberkopf und Schultern sind schokoladenbraun, der Rücken ist meist schiefergrau gefärbt. Ein kurzer und dem Vogel eine Zaunkönigform gebender Schwanz, der ständig wippt, behindert ihn nicht beim Laufen am Grund. Eine weitere Anpassung an das Tauchen zeigen die Knochen der Wasseramsel, die nicht pneumatisiert sind, d.h. sie besitzen keine Hohlräume wie andere Singvögel, die dem Vogel zusätzlichen Auftrieb verleihen würden. So spart er beim
Tauchen Energie. Weitere Anpassungen an die Nässe sind eine verschließbare Nasenöffnung und ein dicht mit Dunen durchsetztes Federkleid, das wiederum ständig mit dem Sekret der Bürzeldrüse eingerieben wird. Ein solch dichtes Gefieder findet man sonst nur bei echten Wasservögeln. Zum Schwimmen und Tauchen werden außerdem zusätzlich die Flügel ruderartig eingesetzt, da dem Vogel Schwimmhäute an den Zehen fehlen. Über die maximalen Tauchzeiten unserer Wasseramsel finden sich differierende Angaben, die je nach Autor mit 30 Sekunden bis hin zu fünf Minuten angegeben werden, wobei meine Erfahrungen eher zu den 30 Sekunden tendieren. Wassertiefen bis zu sechs Meter sollen durch die Vögel bewältigt werden können, wobei die Tauchzeiten auch sicher mit der Tauchtiefe zunehmen, eine Erklärung für die unterschiedlichen Angaben.

Der Lebensraum

Als Lebensraum werden feste und streng abgegrenzte Reviere an den Fluss- und Bachläufen bezogen, in denen die Männchen meist im Tiefflug über dem Wasser patrouillieren. Nur in solchen Tälern besuchen die Wasseramseln auch mal einen Gartenteich. In den Uferzonen der Fließgewässer bauen die Vögel kugelförmige Nester aus trockenem Moos und Laub in Felsnischen, Uferüberhängen, Uferausspülungen, hinter Wasserfällen und unter freiliegenden Wurzelbereichen der Uferbäume in ca. 1-5 m Höhe über der Wasserfläche. Natürlich werden geeignete anthropogene Standorte wie Ufermauern aus geschichteten Natursteinen, Brücken und stillgelegte Abflussrohre auch genutzt. In einem von mir beobachteten Fall brütete ein Wasseramselpaar auf einem kleinen Vorsprung unter einer Fußgängerbrücke, ca. 3 m über einem Fluss. Brutausfälle durch schnell steigendes Hochwasser nach Starkniederschlagen gibt es leider häufig. Der gegen Räuber jedoch gut geschützte Neststandort garantiert trotzdem ausreichend Nachwuchs, um den Bestand zu erhalten. Die Männchen sitzen im Frühjahr oft auf einem Stein in Nestnähe und balzen das Weibchen unter nickenden Verbeugungen und Flügelzittern an. Das Weibchen bebrütet dann allein die vier bis sechs Eier. An der Jungenaufzucht beteiligen sich jedoch beide Elternteile. Vielleicht achten Sie, liebe Leser, beim nächsten Spaziergang an einem sauberen Bach auf einen kleinen braunen Vogel mit weißer Kehle, der charakteristisch flach über das Wasser abstreift, und können ihn sogar beim Tauchgang beobachten. Die Tendenz in Mitteleuropa hin zu weniger belasteten Bächen trägt dazu bei, dass sich der in den letzten Jahren zurückgegangene Bestand dieses Vogels derzeit vielerorts wieder erholt.


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