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Faszinierende Pflanze im Wassergarten: Der Fieberklee

Faszinierende Pflanze im Wassergarten: Der Fieberklee

Es muss wohl mittlerweile so an die 20 Jahre her sein, dass ich noch ganz in der Nähe meines Gartengrundstücks jedes Jahr im Frühling einen sehr schönen und artenreichen Feuchtwiesenbiotop besuchen konnte.

So wurde es zur Pfingstgewohnheit, mit unseren Gästen die hier wachsenden riesigen Bestände an Knabenkraut aufzusuchen und immer mal wieder zu fotografieren. Dieser Biotop wurde lange Zeit nur extensiv landwirtschaftlich genutzt und diente dann als Schafweide. Kleinere Stichgräben, die schon fast wieder einen natürlichen Charakter trugen, entwässerten dieses etwa 3-4 ha große Gebiet nach der Schnee schmelze oder in besonders nassen Jahren in den Abfluss eines nahe gelegenen Sees. Dabei wurde ein dem Feuchtgebiet zuträglicher unterer Pegel des anstehenden Schichtenwassers nie unterschritten. Obwohl ich damals keine Vegetationsaufnahmen gemacht habe, kann ich noch anhand von Dias in etwa rekonstruieren, wie sich der Bewuchs zusammensetzte. Neben den vorgenannten Orchideen leuchteten große Bestände der Europäischen Trollblume, Trollius europaeus. Über die gesamte Wiese verstreut wuchsen der Schlangenknöterich, Polygonum bistorta, und der Kriechende Günsel, Ajuga reptans, gemeinsam mit dem Sumpfstorchschnabel, Geranium palustre, und dem Wiesenschaumkraut, Cardamine pratensis. An den Rändern der Gräben wechselten dichte Gruppen des Breitblättrigen Merk, Sium latifolium, mit Wasserschwaden, Glyceria maxima, Sumpfschwertlilien, Iris pseudacorus, und Oenanthe fistulosa, der Röhrigen Pferdesaat. Im Wasser der Gräben konkurrierten verschiedene aquatische Ranunculus-Arten mit Hottonia palustris, der Wasserfeder. Ich könnte die Aufzählung noch eine ganze Zeitlang fortsetzen, denke aber, einen ausreichenden Eindruck vom Biotop vermittelt zu haben. Eine einzige, stark versumpfte, quellige Stelle des Areals wurde vom Fieberklee, Menyanthes trifoliata, besiedelt. Von hier stammen auch die vor über 20 Jahren gesammelten Ausgangspflanzen meiner Gartenteichbestände. Etwa 1986 wurde dann die Feuchtwiese tief melioriert. Die mächtigen Maschinen zerstörten bereits in der Phase des Grabenaushubs die gesamte Ufervegetation. Da die Gräben und der angestrebte Pegelstand der Entwässerung unterhalb des Niveaus dar natürlichen Vorflut lagen, musste das Wasser über ein Hebewerk abgepumpt werden. Bereits im nächsten Frühjahr war ein großer Teil des Dactylorhiza-Bestands nicht mehr vorhanden. Im Verlauf der nächsten zwei Jahre wurden die Gruppen der Trollblumen immer kleiner und sind seit 1988 erloschen. Das Verschwinden der empfindlicheren Feuchtgebietsvegetation war verbunden mit großflächigen Degradationserscheinungen des moorigen Standortes. Bald bedeckten unendliche Brennnessel-Hochstaudenfluren die Randbereiche der ehemals leuchtend gelben Trollblumenwiesen. Einzig das Mädesüß, Filipendula ulmaria, und Schilf, Phragmites australis, sind von der ursprünglichen Vegetation übriggeblieben. Der Fieberklee war eine der ersten Arten, die der Entwässerung nicht gewachsen war.

Zur Biologie und Systematik des Fieberklees

Der Fieberklee wurde vor nicht allzu langer Zeit zur Familie der Enziangewächse, Gentianaceae, gerechnet, ist aber auf Grund blütenbiologischer Merkmale in eine eigene Pflanzenfamilie überstellt worden. Menyanthes trifoliata ist die einzige Art der Gattung Menyanthes aus der Familie der Fieberkleegewächse, Menyanthaceae. In Europa kommen aus dieser Familie nur die Gattung Nymphoides, in der neben der seltenen heimischen Seekanne Nymphoides peltata noch verschiedene nicht winterharte Wasserpflanzen zu finden sind, sowie die monotypische Gattung Menyanthes vor. Die Gattungen Nephrophyllidium aus Japan und Nordwestamerika, Villarsia aus dem südostasiatisch/australischen Raum sowie Liparophyllum enthalten einige weitere Arten. Der Fieberklee ist eine ausdauernde Sumpfpflanze mit horizontal kriechendem Rhizom. Die Art wächst auf dauernassem Ufersubstrat und schiebt gegebenenfalls seine Sprosse in das freie Wasser vor. An der Sprossunterseite entspringen die weißen Wurzeln, die im freien Wasser einfach sind, sich im Substrat aber verzweigen. Der Spross trägt am Ende 5-7 zweizeilig angeordnete, große, lang gestielte, dreiteilige Blätter. mit bis zu 10 cm langem, deutlich scheidigem Blattgrund. Die Blätter gehen im Winter zugrunde und nur der kahle Spross überdauert auch strengste Fröste. Im Frühling krümmen sich die Hauptsprosse an den Enden bogenförmig nach oben und entwickeln bald die sattgrünen Blätter. Der gesamte Spross ist sympodial aufgebaut, wobei am Ende des vorjährigen Triebes der Blütenstand erscheint. Es sieht jedoch so aus, als wüchse der Blütenstand aus einer Blattachselknospe, da der Nebenspross den Blütenstand beiseite drängt und zum Fortsetzungsspross wird. Rückwärtige Achselknospen werden dabei zu anfangs schwächeren Seitentrieben, die sich sehr leicht abtrennen und zur vegetativen Vermehrung verwenden lassen Der traubige Blütenstand erhebt sich senkrecht auf einem kahlen, je nach Umgebungsbedingungen (z.B
Lichteinfall) bis zu 35 cm langen Schaft. Die Einzelblüten sind unterschiedlich lang gestielt und besitzen am Grunde ein kleines, eiförmiges Tragblatt. Die Blüte ist fünfzählig, die einzelnen, an der Spitze zurückgeschlagenen Zipfel tragen Bärte. Die Blütenfarbe variiert von weiß bis rosa. Der gesamte Blütenstand ist sehr dekorativ. Der Fruchtknoten ist eiförmig und oberständig, der Griffel bleibt bis zur Fruchtreife erhalten. Die Fruchtkapsel öffnet sich zur Reife mit zwei Klappen und gibt zahlreiche flachelliptische Samen frei. Die Hauptblütezeit liegt von Mai bis Juni, vereinzelt erscheinen auch später noch Blüten. Besonders reichblühende Bestände findet man an sonnigen Standorten. Schattenpflanzen dagegen blühen ärmer oder gar nicht.

Zur Ökologie des Fieberklees

Orte, an denen man den Fieberklee finden kann, sind moorige, dauernasse, artenarme Wiesen oder Grabenränder. Auch mesotrophe (mäßig nährstoffbelastete), verlandende Seen mit einem beginnenden Verlandungsmoor können Vorkommen haben. An zusagenden Standorten und in geschützten Refugien ist Menyanthes trifoliata noch recht häufig. Kultivierte Landschaften mit regulierter Wasserführung und den häufig tiefen Meliorationsgräben lassen jedoch der Art kaum eine Chance. An fast allen von mir besuchten Fundorten ist Menyanthes trifoliata Begleitart in verschiedenen Pflanzengesellschaften.
In den seltensten Fällen, und dann nur örtlich begrenzt, dominiert sie. Durch den meist lockeren Aufbau der Menyanthes-Bestände bleibt anderen Arten noch ausreichend Raum zur Entfaltung. Obwohl, wie ich bereits oben angemerkt habe, Menyanthes trifoliata noch häufiger vorkommt als manche andere Sumpfpflanze, kenne ich nicht allzu viele Fundstellen. Ein besonders schöner Standort liegt in einem Naturschutzgebiet im Tal der Recknitz im Nordosten Mecklenburgs. Dichte Sphagnum-Polster, die gemeinsam mit anderen Sumpfpflanzen einen Schwingrasen bilden, wurden von den in Richtung See vor- wachsenden Sprossen des Fieberklee durchzogen. Auffällige Begleitart war hier das Sumpfblutauge, Potentilla palustris,mit seinen blutroten Blüten. Eine qualitative Vegetationsaufnahme ergab im Wesentlichen folgende Arten:
* Menyanthes trifoliata
* Sphagnum spec.
* Potentilla palustris
* Eriophorum angustifolium
* Utricularia vulgaris und
* Hydrocotyle vulgaris.
Dem Ufer war großflächig Nymphaea alba vorgelagert.

Der Fieberklee ist eine ausgezeichnete Art für den Wassergarten

Der Fieberklee lässt sich nach meinen Erfahrungen problemlos im Gartenteich pflegen. Meine ersten Versuche mit der Art liegen, wie bereits angedeutet, ca. 20 Jahre zurück, und seit dieser Zeit kultiviere ich dauerhaft einen gesunden und attraktiven Bestand wechselnder Größe. Der Fieberklee besitzt eigentlich eine gute ökologische Valenz und kann sich im Wassergarten auch gegen starken Druck solcher Arten wie der Sumpfsimse, Eleocharis palustris, Lysimachia thyrsiflora, des Straußblüten Gilbweiderichs oder des Zungenhahnenfußes, Ranunculus lingua, durchsetzen. Problematisch bleibt eine Vergesellschaftung mit Rohrkolben, Igelkolben und wuchernden Gräsern wie Schilf, Phragmites australis, Wasserschwaden, Glyceria maxima, oder Rohrglanzgras, Phalaris arundi- nacaea. Der Fieberklee wächst am besten, wie auch in der Natur, vom feuchten Ufer aus in Richtung des freien Wassers. Obwohl untypisch, kann man auch einzelne Sprosse aus tieferem (ca. 30 cm) Wasser nach oben steigen lassen. Nach Erreichen der Wasseroberfläche schwimmt dann die Pflanze und blüht auch. Die gute Schwimmfähigkeit der Triebe ist der schwammigen Struktur (Aeren- chym) zu verdanken. Lässt man Menyanthes trifoliata längere Zeit ungestört mit konkurrenzschwächeren Arten wachsen, dominiert er bald und bedeckt das gesamte Areal. Die Seitensprosse erstarken und bilden dann selbst Verzweigungen, so dass die gesamte Fläche in relativ kurzer Zeit mit dem Seilgewirr der Kriechsprosse überzogen ist. Der Fieberklee ist sehr leicht vegetativ zu vermehren, so dass auf eine generative Vermehrung zumindest unter den Bedingungen nicht kommerzieller Pflege verzichtet werden kann. Die Samen keimen unter Wasser und auf feuchtem Substrat leicht. Im Übergangsbereich zwischen Sumpfteil und Wasserfläche des Gartenteiches ist der Fieberklee eine ideale Pflanze, die das Beachten seiner ökologischen Mindestansprüche jedes Jahr mit mehr Blütenständen dankt. Es sind die Schönheit der Pflanze und das Zurückweichen der natürlichen Refugien, die Menyanthes trifoliata einen festen Platz im Pflanzenbestand jedes Gartenteiches finden lassen sollten.
Abschließend noch einige Worte zur offizinalen (arzneilichen) Wirkung der Art. In der Vergangenheit wurde die gesamte Pflanze getrocknet und der wässrige Aufguss als fiebersenkendes Mittel verabreicht. Ob wirklich Linderung aufgetreten ist, mag dahingestellt bleiben. Die Blätter des Fieberklee enthalten überdies Bitterstoffe, die entzündungshemmend sind. Sie zählen zu den sogenannten ,,Amara aromatica", den aromatischen Bitterstoffen mit verdauungsanregender Wirkung, und haben als solche durchaus eine pharmakologische Bedeutung.


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