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Flusskrebse im Gartenteich

Flusskrebse im Gartenteich

Neben der zunehmenden Bedeutung von Flusskrebsen in der Süsswasseraquaristik steigt in letzter Zeit auch die Nachfrage nach Krebsen, welche in Gartenteichen gehalten werden können.
Aus verschiedenen Gründen kommen für einen solchen Besatz
nur wenige Arten in Frage. Die Gründe hierfür und einige
Hinweise, wie mit diesen interessanten Pfleglingen umgegangen
werden sollte, werden in diesem Artikel behandelt.
Für eine Haltung im Gartenteich kommen aus Natur- und Artenschutzgründen nur heimische Flusskrebse in Frage. Flusskrebse können ihr Heimatgewässer verlassen und auch weite Strecken über Land zurücklegen. Sie tun dies vor allem dann, wenn ihnen die Wasser- und Lebensraumverhältnisse nicht zusagen oder sie in ein neues Gewässer eingesetzt werden. Diese Wanderungen im Trockenen bereitet ihnen keine Schwierigkeiten, weil sie tagelang atmosphärische Luft atmen können, ohne Schaden zu nehmen. Erst wenn die Kiemen austrocknen, wird es außerhalb des Wassers für die Krebse lebensbedrohend. An sonnigen, heißen Tagen kämen Flusskrebse daher nicht sehr weit, aber nachts oder bei Niederschlägen können sie Hunderte Meter zurücklegen. Daher wäre es unverantwortlich, wenn man fremdländische Krebse aussetzt, diese den Gartenteich verlassen und auf ihren Wanderungen ein Freigewässer finden und damit zur weiteren Faunenverfälschung beitragen. Außerdem können alle nordamerikanischen Flusskrebsarten die gefährliche, höchst ansteckende Krebspest (Aphanomyces astaci), eine Pilzerkrankung, übertragen und verbreiten und so ganze Populationen heimischer Krebse ausrotten. Dazu genügt ein einziges Exemplar, welches aus dem Gartenteich entkommt und in ein Freigewässer gelangt. Amerikanische Krebse wie der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) oder der oft angebotene Rote Amerikanische Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) dürfen daher keinesfalls in Gartenteiche ausgesetzt werden. Bei den im Handel befindlichen australischen Arten (meist sind es Krebse der Gattung Cherax liegt die Problematik etwas andres. Sie könnte man zwar während des Sommers in Gartenteichen halten, aber sie ertragen unsere Wintertemperaturen nicht. Entweichen sie aus dem Gartenteich, so gehen sie
spätestens mit Abkühlung unserer Gewässer im Herbst und Winter zugrunde. Man kann sie deshalb nur während der warmen Jahreszeit in Gartenteichen halten. Diese müssten so gestaltet sein, dass ein Entweichen der Tiere unmöglich gemacht wird. Dies ist allerdings eine Forderung, die schwer zu erfüllen ist, weil Flusskrebse wahre Ausbruchskünstler sind. Selbst in Aquarien nutzen sie jede Gelegenheit zu entweichen. Im Herbst müssten diese Gartenteiche komplett abgefischt werden, um die Australier dann in geheizten Aquarien zu überwintern

Europäische Krebsarten:

Von den europäischen Arten, dem Fluss- oder Edelkrebs (Astacus astacus), dem Galizierkrebs (Astacus leptodactylus), dem Bach- oder Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) und dem Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) kommen eigentlich nur die beiden erst genannten in Frage. Die beiden Austropotamobius-Arten vertragen die sommerlichen Temperaturen über 20 °C, welche in der Regel in einem Gartenteich vorherrschen, nicht. Die beiden Astacus-Arten sind großwüchsige Krebse und können über 300 Gramm Gewicht erreichen. Tiere aus dem Speisekrebshandel, auch einheimische Arten, sollte man keinesfalls erwerben und aussetzen, weil die Gefahr, dass sie sich während Transport und Hälterung mit dem Erreger der Krebspest angesteckt haben, sehr hoch ist. Außerdem werden dieseTiere bei niedrigen Wassertemperaturen gehältert und es kommt dann beim Umsetzten durch Häutungsprobleme zu Verlusten.

Ansprüche an den Teich:

Der Gartenteich muss auf alle Fälle frostsicher sein, er darf nicht durchfrieren und sollte im Sommer nicht über 26 CC Wassertemperatur erreichen. Edelkrebse und noch mehr Galizierkrebse überleben zwar noch höhere Temperaturen, aber sie fühlen sich dabei nicht mehr sehr wohl. In einem natürlichen Gewässer weichen sie dann meist in tiefere Wasserschichten aus, wo es kühler ist. Mit einer Belüftung kann man diese heißen Tage aber etwas überbrücken, weil es vor allem der sinkende Sauerstoffgehalt ist, der den Tieren zu schaffen macht. Bei den Ansprüchen an die Wasserwerte haben diese Flusskrebse weite Toleranzen. Sie leben in Gewässern mit pH-Werten zwischen 5,5 und 9, bevorzugen aber solche zwischen 6 und 8,5. Kalkhaltiges, hartes Wasser kommt ihnen bei der Häutung entgegen. Eine leichte, organische Belastung des Wassers macht ihnen nicht aus, vielmehr lieben sie sommerwarme, nährstoffreiche Gewässer, weil dort vielfältiges Leben als breite Nahrungsbasis zur Verfügung steht. Chemische Belastungen des Wassers sind zu vermeiden, sehr empfindlich reagieren Flusskrebse auf manche im Garten verwendete Spritzmittel, besonders Insektizide dürfen, selbst in Spuren (z. B. durch Windabdrift), nicht in den Gartenteich gelangen. Oft wird befürchtet, dass Krebse bei Folienteichen die Folie beschädigen könnten. Diese Bedenken sind unbegründet. Krebse graben zwar sehr gerne ihre Wohnhöhlen selbst, sie können aber die im Handel befindlichen Teichfolien nicht durchdringen. Man sollte aber nicht nur die blanke Folie als Teichboden anbieten, sondern doch eine Schicht von Bodensubstrat einbringen. Ein Teich für Krebse muss reichlich Strukturen aufweisen. Entweder die Tiere können sich ihre Höhlen selbst graben oder man muss künstliche Verstecke einbringen. Je nach Lebensalter und Körpergröße der Krebse sollte man unterschiedlich große Höhlen anbieten. Mann kann dazu Steinschichtungen gestalten, aber auch Lochziegel, Kunststoffrohre, Tonrohre, Steinplatten und Wurzeln verwenden. Hierbei ist der Anspruch der Arten auch etwas unterschiedlich. Edelkrebse brauchen unbedingt diese Verstecke, die Galizierkrebse begnügen sich auch manchmal damit, sich kurzzeitig Schlamm einzugraben oder sich in Wasserpflanzen zu verbergen. Bei den eher beengten Bedingungen in einem Gartenteich werden aber von allen Flusskrebsarten angebotene Verstecke gerne angenommen. Ein reicher Wasserpflanzenbestand wird vor allem von den Jungkrebsen gerne als Versteck aufgesucht und von den erwachsenen Tieren als Nahrung genutzt. Diese Eigenschaft wird oft als Grund genannt, warum man Krebse in Gartenteiche einsetzten sollte. Sie sollen das Pflanzen- und Algenwachstum kontrollieren und auch das Herbstlaub beseitigen. Dieser Aufgabe kommen die Krebse gerne und bei ausreichender Stückzahl auch effektiv nach, es gibt aber auch eine Kehrseite diese Vorzuges, welche man vor einem Besatz bedenken sollte. Ist der Teich zu klein und die Krebse vermehren sich, können sie ein Gewässer richtiggehend leer fressen. Man muss dann rechtzeitig eingreifen, um die Bestandsdichte zu reduzieren. Aus diesem Grund haben Krebse auch nichts in kleinen Gartenbiotopen verloren, welche eigentlich für Amphibien, Mollusken, Insektenlarven, Wasser- und Sumpfpflanzen gedacht sind. So nützlich Flusskrebse in einem Gewässer sein können, zu kleine Wasserkörper können sie empfindlich stören, wenn man nicht regelnd eingreift.

Vermehrung

Die oben empfohlenen Flusskrebse können sich in geeigneten Gartenteichen ohne weiteres vermehren. Man muss davon ausgehen, dass es in Gewässern, in welchen Flusskrebse länger als im Jahr überleben können, zu einer natürlichen Vermehrung ohne Zutun des Menschen kommt, sobald adulte Tiere vorhanden sind. Die Geschlechtsreife erreichen die Astacus-Arten mit drei Jahren. Wenn im Herbst die Wassertemperatur absinkt, gehen die Männchen auf Partnersuche. Finden sie ein paarungsbereites Weibchen, wird dieses auf den Rücken geworfen und mit den Scheren festgehalten. Bei dieser Begattung werden die Spermatophoren an der Bauchseite des Weibchens befestigt. Einige Tage später stößt dann, das Weibchen die Eier aus, welche erst bei diesem Vorgang befruchtet werden. Die Eier werden dann an den
den Schwimmbeinchen des Hinterleibs (Abdomen) befestigt. Dort verbleiben die Eier etwa sechs Monate lang, werden vom Muttertier um-
sorgt und gepflegt bis, je nach Wassertemperatur, im Mai/Juni Larven aus den Eiern schlüpfen. Larven klammern sich für etwa zehn Tage am Abdomen fest. Erst durch eine Häutung werden aus den Larven kleine, etwa 10 mm lange Krebse, welche ein miniaturisiertes Abbild ihrer Eltern sind. Die Jungkrebse verbleiben noch einige Tage am Muttertier und verlassen dieses erst, wenn das Weibchen wieder intensiv zu fressen beginnt. Dann sind auch ihre eigenen Jungen nicht mehr vor ihr sicher.

Fütterung

Krebse sind Allesfresser, die je nach Art, Lebensalter und Jahreszeit mehr pflanzliche oder mehr tierische Nahrung aufnehmen. In einem Gartenteich gibt es normalerweise so viel natürliche Nahrung, dass eine Fütterung nicht notwendig ist. Vermehren sich die Krebse aber zu stark oder bemerkt man einen starken Rückgang der Wasserschnecken oder Pflanzen, kann man sehr wohl nach Bedarf zufüttern. Die pflanzlichen Anteile können durch Getreide, auch ungeschrotet (Mais, Weizen, Roggen, Gerste), und geraspelte, rohe Karotten ergänzt werden. Auch Kartoffeln (gekocht) und anderes Gemüse, das absinkt, wird gerne angenommen. Das Gemüse sollte ungespritzt sein! Die tierischen Anteile kann man durch Pellets, Forellenkorn, Futtertabletten, aber auch durch Vorlage von frischtoten Fischen oder Fischstücken ergänzen. Bei der Auswahl der Futtermittel muss man darauf achten, dass das Wasser nicht zu stark belastet wird. Es sollte alles bereits in der ersten Nacht gefressen werden. Ist dies nicht der Fall, muss die Futtermenge reduziert werden.

Wachstum

Flusskrebse können durch ihren starren Panzer nur wachsen, wenn sie diesen abstreifen. Man nennt dies Häutung. Junge Krebse häuten sich öfter als adulte. Die Häutung findet immer während der wärmeren Jahreszeit statt. Im Winter fressen Krebse sehr wenig und wachsen nicht.Wenn man während des Sommers so eine Haut oder Exuvie eines Krebses findet, wird oft fälschlicherweise angenommen. es handelte sich um ein verendetes Tier, weil alle Beine, die Scheren, selbst die feinen Fühler gehäutet werden und an der Exuvie zu finden sind.

Vor- und Nachteile eines Krebsbesatzes

Ein Krebsbesatz in größeren Gartenteichen hat viele Vorteile, nicht zu Unrecht werden unsere Flusskrebse oft als „Gewässerpolizei" bezeichnet Sie fressen alle verendeten Tiere (solange diese frisch sind), kontrollieren Schneckenplagen und reduzieren auch Wasserpflanzen und Fadenalgen. Man darf dabei aber auch die möglichen unerwünschten Folgen nicht unerwähnt lassen. Es ist aber ähnlich wie mit den Fischen in Gartenteichen. Wenn die natürlichen Regelmechanismen und Fressfeinde fehlen, kann es da wie dort zur Massenvermehrung kommen und der Mensch muss steuernd eingreifen. Wem das nicht zuviel Aufwand ist, dem kann man einen Besatz mit diesen interessanten ,,Rittern unserer Gewässer", denen man am besten abends und nachts mit der Taschenlampe nachspürt, um mehr über ihr Leben zu erfahren, nur empfehlen.

1. Der Signalkrebs, Pacidastacus leniusculus, sollte keinesfalls in den Gartenteich gelangen.
2. Auch der Kamberkrebs oder Amerikanische Flusskrebs, Orconectes limosus, darf keinesfalls in heimische Gartenteiche eingebracht werden.
3. Der Bach- oder Steinkrebs. Austropotamobium torrentium, ist für die Haltung im Gartenteich kaum geeignet.
4. Der Kamberkrebs oder Amerikanische Flusskrebs, Orconectes limosus, ist nur für Aquarien geeignet, obwohl er manchmal für Teiche angeboten wird.
5. Der Sumpf- oder Louisiana-Flusskrebs, Procambarus clarkii, wird häufig im Aquarienhandel angeboten, sollte aber auch nicht in den Gartenteich eingesetzt werden.

Chris Lukhaup


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