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Gelbbauchunken warnen mit grellen Farben

Gelbbauchunken warnen mit grellen Farben

Von oben sieht sie ganz unscheinbar aus, die kleine, gerade einmal 5 cm große, warzige Kröte, die sich selbst in kleinsten Wassertümpeln und natürlich auch geeigneten kleinen Gartenteichen einfindet. Dreht man sie aber um, zeigt sie ihre grellen, gelben Warnfarben. Denn diese kleine Kröte ist nicht ohne. In den Warzen auf der Körperoberseite wird ein Gift produziert, das zwar für den Menschen ungiftig ist, zumindest, solange es nicht in die Schleimhäute gelangt, also nach dem Kontakt unbedingt Hände waschen. Für die potenziellen Fressfeinde aber ist es gefährlich, und so signalisiert die kleine Unke: Fass mich nicht an!

Vorkommen

Die Gelbbauchunke, Bombina variegata, ist eine typische Art der Mittelgebirge. Deswegen werden wir sie im Norden Deutschlands, also nördlich des Rheinischen Schiefergebirges, nicht mehr antreffen. In ihrem Verbreitungsgebiet besiedelt sie vor allem temporäre Kleingewässer. Früher waren das die in sumpfigen Wiesen auftretenden Tümpel. Sie kommt aber sogar in wassergefüllten Wagenradspuren in offenen Bereichen oder lichten Waldgebieten vor. In Gärten mit Anschluss an natürliche Vorkommen der Gelbbauchunke können frisch angelegte Kleinteiche ebenso besiedelt werden wie fast unabsichtlich entstandene Wasserlöcher. Wichtig ist, dass sich die kleinen Gewässer schnell erwärmen, das gefällt den Unken besonders. Fressfeinde dürfen nicht vorhanden sein. Gerade die kleinen Unken sind sehr bewegungsfreudig und suchen aktiv nach neuen, geeigneten Biotopen. Dabei kommen ihnen nicht ganz aufgeräumte Gärten entgegen. Totholzstapel sind nicht nur für Gelbbauchunken wahre Paradiese, aber auch Trockenmauern mit Spalten und Ritzen können besiedelt werden. Selbst Steinhaufen mit kleineren Ritzen können als Überwinterungsplätze gute Dienste leisten.

Tarnung

Von oben sind die Gelbbauchunken gut getarnt. Nähert sich aber ein potenzieller Feind, so wird der Unkenreflex aus
geführt. Die Unke macht ein richtiges Hohlkreuz. Dabei präsentiert sie ihre kräftigen seitlichen Warnfarben und signalisiert dem ,,Feind", dass sie ungenießbar und giftig ist. Auch das gleichzeitig abgegebene Sekret riecht recht intensiv und unterstützt die Signalwirkung. Dreht man sie auf den Rücken, verfällt sie ebenfalls in eine Starre und verlässt sich praktisch vollständig auf die Warnwirkung.

Fortpflanzung

Die Männchen haben keine Schallblase, erzeugen aber trotzdem einen angenehmen, nicht sonderlich lauten, glockenähnlichen Balzruf mit mehr als 40 Rufen pro Minute (und damit deutlich mehr als die Rotbauchunke, siehe unten). Die Paarungszeit beginnt etwa im Mai und kann bis in den Juli reichen. Die Rufe beginnen am späten Nachmittag und reichen bis in den späten Abend. Die Gelege, die aus bis zu 100 Eiern bestehen können, werden in kleineren Klumpen an untergetauchten bzw. überspülten Pflanzen (etwa Gräsern) abgelegt oder an vorhandene Wasserpflanzen. Die Gallerthülle erreicht etwa 8 mm Durchmesser, die Eier selbst sind aber nur bis 2 mm groß. Die Kaulquappen schlüpfen bereits nach einer Woche. Sie können eine Länge von bis zu 55 mm erreichen, haben eine eher graue Grundfarbe, schillern aber in Regenbogenfarben. Nach nur etwa vier Wochen beginnt die Metamorphose. Spätestens zwei Monate nach der Eiablage können sie das Gewässer verlassen. Die kleinen Gelbbauchunken sind dann 10 bis 15 mm groß, aber können schon ohne Wasser auskommen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass auch so extreme Lebensräume wie Wagenspuren besiedelt werden können.

Nahrung

Die Kaulquappen ernähren sich überwiegend von Aufwuchs; in Kleingewässern sind das meist Algen der verschiedensten Art. Aber auch Bakterien- und Einzellerrasen werden abgeweidet. Als umgewandelte Unken nehmen sie aber nur noch tierische Nahrung auf. Das können Insektenlarven, aber auch Fliegen, Mücken und andere Insekten oder Würmer sein. Deswegen können Gelbbauchunken auch weit weg von Gewässern angetroffen werden, da gerade Jungtiere auch recht wanderfreudig sind. Da die Unken nicht besonders wählerisch sind, was ihre Nahrung betrifft, können sie nachts auch relativ weit vom normalerweise besiedelten Gewässer auf der Nahrungssuche angetroffen werden.

Gefährdung und Ersatzbiotope

Leider sind die Gelbbauchunken stark vom Aussterben bedroht. Hauptgrund ist das Verschwinden der natürlichen Lebensräume. Weil sie sich mit der Chinesischen Rotbauchunke, Bombina orientalis, kreuzen, ist deren Einfuhr aus Artenschutzgründen untersagt worden. Wenn Sie im Mai oder Juni bei Spaziergängen in feuchten Bereichen in Ihrer Umgebung (von offener Landschaft bis Hochwald) kleine Pfützen kontrollieren (natürlich ohne sie zu gefährden oder nur zu beschädigen) und dabei Gelbbauchunken finden, besteht die Möglichkeit, sie bei uns anzusiedeln. Dazu kann ein flacher Teich, maximal 25 cm tief, kaum bepflanzt, mit lehmigem Grund und kaum mehr als einem Quadratmeter Fläche, angelegt werden, zu dem die Unken wandern können. Mit etwas Glück kommen sie dann zu uns. Als streng geschützte Art dürfen weder Laich, Kaulquappen oder Unken aus Gewässern gleich welcher Art entfernt werden. Sollten Sie aber auf ein Biotop stoßen (etwa Wagenspuren), das kurz vor dem Austrocknen steht und einige noch nicht metamorphisierte Kaulquappen enthält, dann können dies nur Gelb- oder Rotbauchunken sein. Handeln Sie nicht selbst! Informieren Sie umgehend die zuständige Behörde (oft ist es die Untere Naturschutzbehörde), damit die Unken offiziell gerettet werden können. Sie können sich auch an lokale Untergruppen des BUND oder anderer Naturschutzgruppen wenden, dort wird man Ihnen und den Unken sicher weiterhelfen. Gerade Naturschutzgruppen sind an neuen Meldungen über Vorkommen von Gelb- oder Rotbauchunken interessiert. Denn nach der in der EU erarbeiteten und auch in Deutschland geltenden FFH- (Flora-Fauna-Habitat-)Richtlinie müssen dann Schutzgebiete ausgewiesen werden. So kann der Erhalt dieser Art in der Natur vielleicht gesichert werden.


Die Verwandte: die Rotbauchunke

Mehr in den Osten, von Dänemark über Ostholstein bis Tschechien und Österreich, reicht das Verbreitungsgebiet der Rotbauchunke, Bombina bombina. Von oben kaum von der Gelbbauchunke unterscheidbar, befinden sich am Bauch neben der oft orangefarbenen, selten roten, manchmal aber ebenfalls gelben Warnfarbe deutliche, kleine weiße Punkte. Mit bis zu etwa 50 mm Körperlänge bleibt sie wenige Millimeter kleiner. Ihr Ruf ist etwas langsamer und dunkler, da die Männchen innere Schallblasen haben. Außerdem kann er ab April zu hören sein, ab etwa 12 C Wassertemperatur. Ansonsten verlaufen Eiablage und Entwicklung ähnlich. Auch die Rotbauchunke gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht. Nur in wenigen Biotopen kommen beide Arten, deren Verbreitungsgebiet sich ja auch kaum überschneidet, gemeinsam vor. Wenn Sie in der Nähe Ihres Gartens Gelb- oder Rotbauchunken antreffen, dann sollten sie mit wenigen Spatenstichen und etwas stark lehm- oder tonhaltiger Erde einige kleine Pfützen schaffen, die zumindest als potenzielle Lebensräume dienen können. Achten Sie darauf, dass ausreichend Wasser darin ist. Und vielleicht hören Sie ja dann eines Abends den schönen, glockenartigen Gesang dieser Unken.


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