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Kleine Würmer im Gartenteich

Inhaltsverzeichnis


Wenn im Gartenteich bei Pflegearbeiten kleine Würmer auftauchen, heißt es oft nur ,,Ihhh, was ist das denn?" Namen wie Teichschlange, Schlammröhrenwurm oder Strudelwurm sind - wenn wir ehrlich sind - auch nicht gerade geeignet, unser Verständnis für diese Tierchen zu wecken oder gar zu erhöhen. Dabei verraten uns manche dieser kleinen Teichbewohner sogar etwas über die Wasserqualität des Gartenteichs. Würmer, die wir mit bloßem Auge im Gartenteich sehen können, sind für uns Menschen übrigens in der Regel kein bisschen gefährlich. Zu den Egeln haben wir übrigens einen eigenen Artikel: "Egel - Blutsauger im Gartenteich".

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Tubifex tubifex

Aquarianer kennen ihn als nahrhaftes Fischfutter: Der Schlammröhrenwurm, Tubifex tubifex, gehört zu den Ringelwürmern. Die roten, dünnen Würmchen bilden gerne größere Kolonien und bauen sich kleine Wohnröhren in den Schlamm am Bodengrund.

Der Schlammröhrenwurm ist ein Indikatororganismus, der einen bestimmten Grad an Wasserqualität anzeigt. Tubifex kann auch noch in Gewässern mit einer Wassergüte von III-IV überleben; im Bereich IV ist das Wasser am stärksten belastet, im Bereich I ist es am saubersten. Die rote Farbe beim Schlammröhrenwurm ist sein roter Blutfarbstoff, der ihm auch das Überleben in stark belasteten sauerstoffarmen Gewässern ermöglicht.

Das Auftreten von Tubifex kann (nicht - muss!) also darauf hinweisen, dass der Gartenteich stark organisch belastet ist.

Ist das Wasser belastet, sprich, ist beispielsweise viel Nitrat, Nitrit oder Ammonium beim Wassertest nachweisbar, muss jeder weitere Nährstoffeintrag in den Gartenteich vermieden werden. Die Fische sollten eine Zeit lang nur wenig oder am besten gar nicht gefüttert werden. Schnell wachsende Pflanzen wie Hornkraut oder Wasserpest zehren Nährstoffe (ausdünnen nicht vergessen!).

Schädlich sind Tubifex selber jedoch nicht, sie fressen organische Reste und verursachen ansonsten keine Schädigungen bei Fischen, Wirbellosen oder Pflanzen im Teich. Leben Fische oder Krebse im Gartenteich, fressen sie die Tubifex einfach auf - Schlammröhrenwürmer sind ein beliebtes Lebendfutter.

 

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Teichschlange

Die Teichschlange ist trotz ihres "gefährlichen" Namens ein nützliches kleines Würmchen, das Reste verwertet und den Teich ein bisschen aufräumen hilft. Die Teichschlange gehört - ähnlich wie der Regenwurm - zu den Ringelwürmern, genauer noch, zu den Wenigborstern, und wird nur bis zu 10 mm lang. Stylaria lacustris, so der wissenschaftliche Name der Teichschlange, ist vollkommen harmlos.

Die Würmchen finden sich gerne im Wurzelbereich von Wasserlinsen ein, können aber auch freischwimmen. Typischerweise schlängeln sie sich dabei S-förmig durchs Wasser.

Am Kopfende hat der Wurm einen langen, dünnen Tastfaden, der die Bestimmung von Stylaria lacustris so einfach wie unverwechselbar macht. Der Körper der Teichschlange ist durchsichtig und in deutlich sichtbare Segmente unterteilt. Unter dem Mikroskop kann man die inneren Organe gut erkennen.

Die Teichschlange vermehrt sich durch Teilung, sie schnürt dabei Stücke von ihrem Körper ab, die zu neuen Würmern heranwachsen. Dabei bilden sich mehrere Zentimeter lange Tierketten. Die abgeschnürten Würmchen wachsen zu eigenständigen Tieren heran.

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Bauchborstenwürmchen

Winzige, nur bis 2 mm lange durchsichtige Würmchen sind häufig Bauchborstenwürmer der Gattung Chaetogaster, beispielsweise Chaetogaster diastrophus. Auch sie gehören zu den Ringelwürmern. Namensgebend sind beim Bauchborstenwurm die vier bis sieben Borsten, mit deren Hilfe sich Chaetogaster fortbewegt. Auch der Bauchborstenwurm ist in unter dem Mikroskop gut erkennbare Segmente unterteilt.

Die im Teichschlamm oder in Algenwatten lebenden Bauchborstenwürmchen kümmern sich um Mikroorganismen und anderes Kleinstgetier, das sie durch Saugschnappen aufnehmen. Diese kleinen Würmchen sind so durchsichtig, dass man unter einem Mikroskop sogar noch eine ganze Weile lang erkennen kann, ob sie z.B. Glockentierchen gefressen haben.

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Planarien

Ebenfalls aus dem Aquarium bekannt und eher gefürchtet sind Planarien. Sie gehören zu den Plattwürmern oder Strudelwürmern und haben im Gegensatz zu den Wenigborstern keinerlei Segmente. Viele bei uns heimischen Planarienarten können sich bis knapp 3 cm lang strecken, aber auch zu einem kleinen Blob von einem halben bis maximal einem Zentimeter zusammenziehen.

Charakteristisch für viele Arten ist der dreieckige Kopf, der jedoch nicht bei allen Planarien vorhanden ist. Manche Planarien-Arten haben einen eher runden Kopf oder gar einen viereckigen. Deutlich sichtbar sind immer die verhältnismäßig großen beiden Augenflecken im Kopfbereich und ein heller Fleck in der Körpermitte, der Schlundfleck.

Planarien leben substratgebunden und können nicht schwimmen. Die Plattwürmer sind etwa auf Pflanzen zu finden, die sie nur selten verlassen, oder auch am Bodengrund, gerne unter Steinen.

Zwar gibt es einige Planarien-Arten, die an schnell fließende, kühle Gewässer mit sehr sauberem Wasser angepasst sind, diese werden aber nicht im Gartenteich auftauchen, das Wasser dort wird im Sommer für sie deutlich zu warm.

Die meisten der im Gartenteich vorkommenden Planarien sind Anzeiger für eine höhere organische Belastung. Nur selten wird man die Bachplanarie, Dugesia gonocephala, im Teich antreffen, denn sie kommt zwar durchaus mit den Temperaturen zurecht, braucht aber sauberes Wasser. Von anderem Kaliber ist zum Beispiel der bis 25 mm lange Tigerstrudelwurm, Dugesia tigrina. Er liebt belastetes Wasser und steht für eine Gewässergüte von II-III, wie sie in vielen Gartenteichen vorkommt.

Bei Massenvorkommen können diese räuberischen, Fleisch fressenden Teichbewohner anderen Teichinsassen wie Wasserschnecken, anderen Würmern, Fischlaich und im Extremfall auch kleinen Fischlarven gefährlich werden, die noch am Boden liegen und noch nicht freischwimmen.

Eine Massenvermehrung von Planarien ist definitiv ein Alarmzeichen dafür, dass der Teich kurz vor dem Umkippen steht. Dann müssen dringend Maßnahmen zur Nährstoffreduktion wie oben bei Tubifex tubifex beschrieben eingeleitet werden.

Planarien bilden bei schlechten Bedingungen Dauereier, die extreme Kälte, Wärme und selbst das Austrocknen von Gewässern überstehen können. Aus ihnen schlüpfen neue Planarien, wenn sie wieder mit Wasser Kontakt haben.

Planarien schmecken recht bitter und werden daher von anderen Lebewesen im Teich nicht sonderlich gerne gefressen.

Glas-Strudelwürmer

Ebenfalls zu den Plattwürmern, die gerne im nährstoffreichen Wasser im Gartenteich vorkommen und auf Pflanzen leben, gehört der bis zu 15 mm lange Glas-Strudelwurm Mesostoma ehrenbergi. Dieser Plattwurm ist vollkommen durchsichtig, man kann sogar die bei den Augen beginnenden Nervenstränge sehen.

Die braunen Punkte, die in seinem Körper sichtbar sind, sind Dauereier, die vom Weibchen im Herbst freigegeben werden und ebenfalls eine Austrocknung des Gewässers überleben.

 
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Fadenwürmer

Nematoden oder Fadenwürmer kommen in jedem Teich vor. Es gibt wahrscheinlich mehr als 100.000 Arten auf der Welt, sowohl an Land wie auch im Wasser, und vermutlich sind es sogar noch viele mehr, die einfach nur noch nicht entdeckt worden sind. Deswegen ist die Bestimmung eines Fadenwurms außer für Spezialisten kaum möglich.

Viele Fadenwürmer leben parasitisch, man geht von etwa 10.000 Arten aus. Aber keine Angst, die Fadenwürmer aus dem Gartenteich können vor allem uns Menschen nicht gefährlich werden. Die meisten von den Nematoden im Teich leben von organischen Resten oder Pflanzenteilen.

Während bei den Ringelwürmern der Körper behaart und durch ihre Segmente deutlich geringelt ist, ist er bei den Fadenwürmern vollkommen glatt. Unter dem Mikroskop sieht man den Unterschied deutlich. Fadenwürmer können sich zwar krümmen und auch teils recht gut schwimmen, sie können sich aber nicht- wie Ringelwürmer und Planarien - stark zusammenziehen, wenn sie "geärgert" werden. Fische und Wirbellose fressen Nematoden recht gern.

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Saugwürmer

Einige Larven der Saugwürmer oder Trematoden können auch dem Menschen sehr lästig werden. Die Larven des Forellenkratzers, Echinorhynchus truttae, nutzen beispielsweise Bachflohkrebse als Zwischenwirt. Werden diese von Forellen gefressen, verhaken sie sich bei den Fischen in der Darmwand und wachsen dort zum ca. 2 mm langen Wurm heran. Nach der Verpaarung entlassen sie die Larven, auch Cercarien genannt, die sich dann wieder neue Zwischenwirte suchen, in denen sie heranreifen. Auch Enten sind Endwirt für eine Saugwurmart, deren Cercarien Wasserschnecken als Zwischenwirte nutzen.

Diese Cercarien können auch den Menschen befallen, dieser ist jedoch ein Fehlwirt für sie. Die Cerkarien dringen zwar in die Haut ein, aber das war's dann auch schon. Sie sterben dann ab und hinterlassen lästige, juckende Quaddeln auf der Haut, die sogenannte Badedermatitis. Sie verschwindet von selbst wieder, wenn unser Immunsystem die Cercarien abgebaut hat.

So mancher Schwimmteichbesitzer musste schon resigniert das Schwimmen aufgeben, und selbst bei Arbeiten im Teich kann es schon zum Befall kommen. Hier würde nur noch die Chemiekeule helfen oder man beseitigt - etwa mit Schnecken fressenden Fischen - alle Zwischenwirte.


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