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Krebsschere in Teich und Natur Die einstige Plage wurde inzwischen zur Rarität

Trotz strengen Schutzes ist abzusehen, dass die natürlichen Vorkommen von Arten mit enger Biotopbindung immer mehr eingeengt werden und viele Tiere und Pflanzen bald nur noch selten anzutreffen sind. Nur der verantwortungsvolle Umgang mit unserer Natur kann uns auf Dauer Pflanzen wie die Krebsschere und die von ihr abhängigen Tiere erhalten. Eine Art, gleich ob Tier oder Pflanze, kann nur dauerhaft erhalten werden, wenn ihr Lebensraum hinreichend geschützt wird. Artenschutz bedeutet Biotopschutz. Auch wenn es abgedroschen scheint, dieser Satz gilt weiterhin. Ein Biotop im Garten kann nur ein kurzfristiger Ersatz sein. Trotzdem sollten wir ihn nicht unterschätzen, denn viele Pflanzen haben eine besondere Bindung zu speziellen Tieren.


Der Krebsschere folgen

Das Frühjahrswetter ist ideal, um längere Zeit zu Fuß durch feuchte, teilweise nasse, anmoorige Wiesen zu laufen und eine der immer noch im Bestand zurückgehenden Wasserpflanzen zu suchen. Es sind die Gebiete der in Teilen renaturierten Trebel in Mecklenburg-Vorpommern mit neuen und teils längst bekannten Fundorten und immer noch bedeutenden Vorkommen der Krebsschere, Stratiotes aloides. Die Trebelniederung ist dafür bekannt, dass an mancher Fundorten noch große Bestände der Krebsschere vorkommen. Die teilweise in das ursprüngliche, mäandrierende Bett rückgeführte Trebel hat an den Ufern eine eigene Vegetation entwickelt und nur da, wo ehemalige Entwässerungsgräben ins Flussbett münden, finden wir vereinzelt auch Krebsscheren. Das stark verschlammte Ufer entwickelt hinter einem breiten Schilfsaum, Phragmites australis, einen dichten, krautigen Bestand unterschiedlichster Sumpfpflanzen. Besonders auffällig ist die starke Häufung von Cicuta virosa, des tödlich giftigen Wasserschierlings, in einer Stillwasserbucht. Es ist ein unvergesslicher und verhalten optimistisch stimmender Anblick auf ein derart renaturiertes Biotop. Einige Kilometer östlich des Renaturierungsgebietes werden die Trebelwiesen nach wie vor landwirtschaftlich genutzt und auch hydraulisch reguliert. Tausende von stachelbewehrten Lanzenspitzen der Krebsschere, auch Wasseraloe genannt, ragen aus dem Wasser eines dieser Gräben. Betrachtet man die Standortansprüche dieser Pflanze, stellt man fest, dass sie extrem empfindlich auf Veränderungen ihrer Habitate reagiert, besonders auf Wasserverschmutzungen und stark schwankende Wasserstände. Wo Wasserstände sich natürlich regulieren und die Gräben im Sommer austrocknen, würde die Art nach und nach verschwinden. Die Wasserstandsregulierung jedoch bietet mit dem dadurch nivellierten Pegel ideale Bedingungen zur Massenvermehrung der Krebsschere. Durch starke Gewässerverschmutzung und Überdüngung ist die Krebsschere jedoch trotzdem in wenige Refugien zurückgedrängt worden.

Verwandtschaft

Stratiotes aloides ist eine Art aus der Familie der Froschbissgewächse - Hydrocharitaceae, zu der so bekannte Arten wie die Wasserpest oder der heimische Froschbiss, Hydrocharis morsus-ranae, zählen. Die Gattung Stratiotes besitzt nur eine einzige Art. Weiterhin sind noch mindestens acht, von manchen Wissenschaftlern bis zu 15 fossile (ausgestorbene) Arten beschrieben worden. Der Name Stratiotes kommt aus dem Altgriechischen, bedeutet soviel wie Soldat und bezieht sich auf die stachelbewehrten, lanzenähnlichen Blätter der Pflanze. Die Artbezeichnung alismoides bedeutet übersetzt aloeähnlich, weshalb die Pflanze auch Wasseraloe genannt wird. Der Name Krebsschere bezieht sich auf die beiden scherenförmigen Hüllblätter der Blütenstände.

Die Ökologie der Krebsschere

Die Krebsschere wächst unter ihr zusagenden Bedingungen zu nahezu undurchdringlichen Dickichten heran und bildet die Krebsscherengesellschaft, wissenschaftlich Stratiotetum aloidis genannt. Sie siedelt vorwiegend in mesotrophen bis schwach eutrophen, stehenden Gewässern. Diese Pllanzengesellschaft fällt durch die halbaufgetauchten, starren, gesägten, an Lanzen erinnernden Blätter der Krebsschere auf. Zwischen diesem Blätterwald findet man oft eine dicke Schicht Wasserlinsen, hier und da auch den Froschbiss. Diese Gesellschaft ist eine Charaktergesellschaft der Erlenbruchwälder Nord deutschlands sowie vereinzelter Klarwasserseen Brandenburg, und Sachsens (z.B. Gr. Mochowsee, Scherwenzsee in der Niederlausitz und Wittwesee m der Mark Brandenburg). Da sowohl über als auch unter Wasser die Einzelpflanzen ineinander wachsen, hat kaum eine andere Art die Chance, in diesem Drahtverhau zu existieren. Die Wasseraloe bevorzugt stille Uferbuchten von Teichen und Weihern. Torfstiche oder wie im vorliegenden Falle Entwässerungsgräben können dabei in kurzer Zeit völlig zuwachsen, zumal ein laufender Nährstoffstrom aus den umgebenden Flächen gesichert ist. Wichtig für das Gedeihen ist ein nährstoffreiches, basenreiches (Mergelboden) Gewässer ohne größere Strömung. Ein Nährstoffüberschuss, verursacht durch beispielsweise übermäßige Düngung, führt in den meisten Fällen zu einer explosionsartigen Algenentwicklung und damit zu einer rigorosen Veränderung des Biotops mit der Konsequenz des Rückgangs oder des Verschwindens der Krebsschere. Meliorationsmaß nahmen und/oder zunehmende Wasserverschmutzung durch intensive Landwirtschaft, aber auch andere anthropogene Einflüsse haben in der Vergangenheit das Vorkommen auf wenige Gewässer zusammenschrumpfen lassen. Der Wittwesee in der Mark Brandenburg ist einer der mittlerweile seltenen mesotrophen Klarwasserseen mit einem reichen Bestand der Krebsschere. Hier wachsen die Krebsscherenwiesen, begünstigt durch den nahezu ungehinderten Lichteinfall, bis in Tiefen von drei bis fünf Metern, das heißt als reine Unterwasserpopulation. ln Seen, die noch weniger Trübstoffe enthalten, sind vereinzelte Pflanzen selbst noch bis in acht Metern Tiefe gefunden worden. Die Blätter dieser Tiefenformen sind nicht, wie vielfach in der Literatur beschrieben, bandförmig und flexibel, sondern zwar heller grün, so doch ebenso fest. Die Pflanzen sind fest im Bodengrund verwurzelt. Besonders reiche Vorkommen findet man noch in den Gewässern des Spreesystems südöstlich Berlins, aber auch in den Flusstalmederungen und in vereinzelten Seen Mecklenburgs.

Vor der Haustür

Ein interessantes Vorkommen existiert glücklicherweise direkt vor unserer Haustür, in der Trebelniederung nordöstlich des Städtchens Gnoien. Landwirtschaftlich werden die Flächen der Trebelniederung gegenwärtig extensiv genutzt, d.h. sie werden regelmäßig in vorgeschriebenen Abständen gemäht und nicht mehr gedüngt, wodurch die Vorkommen der Krebsschere auch künftig stabil bleiben dürften. Der Boden der Gräben ist torfig schlammig und lässt an verschiedenen Stellen Ton / Mergelschichten erkennen. Als Begleitflora der Wasseraloe kommen kaum andere Wasserpflanzen vor. Außer überreichlich Wasserlinsen sowie hier und da kleineren Froschbissbestanden wurde vereinzelt das Schwimmende Laichkraut gefunden, das durch seine Schwimmblätter Überlebenschancen hat. Ein Bewuchs unter Wasser fehlte an den meisten Fundorten völlig.

Zur Biologie der Krebsschere

Die Wasseraloe ist eine ausdauernde Pflanze. Sie wächst halb untergetaucht, teilweise freischwimmend untergetaucht im freien Wasser von Gräben, Torfstichen oder stillen Uferbuchten. Im seichten Wasser kann sie sich mit langen, einfachen Wurzeln im Boden verankern. Die Blätter entspringen einem gedrungenen Rhizom und bilden eine grundständige Rosette. Sie können bis zu 50 cm lang und 4 cm breit werden, bleiben jedoch oft kleiner. Bei der halbemers schwimmenden Form sind sie steif und ledrig, basal dreikantig und am Rande mit spitzen Sägezähnen besetzt. In befischten Gewässern ist die Krebsschere deshalb nicht gern gesehen, da Zugnetze sich zusetzen und dann schwer entwirrbare Knäuel entstehen. Die Krebsschere ist eingeschlechtig und zweihäusig. Die gestielten männlichen Blüten sind ansehnlich, etwa 3-4 cm im Durchmesser und immer zu mehreren in einer Spatha enthalten. Weibliche Blüten stehen einzeln, höchsten zu zweit in einer Spatha. Die Spatha umhüllt alle Blüten, die nacheinander aufblühen. Die Art blüht weiß. Die Hauptblütezeit erstreckt sich von Juni bis September, wobei ich die ersten Blüten bereits im Mai gefunden habe. Im Gegensatz zu den männlichen Blüten sind die weiblichen ungestielt und nur bis zu zwei m einer Spatha enthalten. Die Kronblätter sind ebenfalls weiß. Im von mir untersuchten Biotop in der Trebelniederung kamen meines Erachtens nur weibliche Exemplare der Krebsschere vor. Da so gut wie nie beide Geschlechter gleichermaßen in einem Bestand vertreten sind, ist Samenansatz selten beobachtet worden. Somit verbreitet sich Stratiotes aloides vorwiegend auf vegetativem Weg durch Ausläufer und Turionen. Die Turionen, auch Hibernakeln genannt, sind Überwinterungsknospen. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Vergleich mit dem Froschbiss, der dieselbe Überwinterungsstrategie hat. Durch die im Herbst absterbenden älteren Blätter der Wasseraloe bildet sich mit der Zeit ein dichter Teppich dieses schwer zersetzlichen Materials auf dem Gewässergrund, womit die Verlandung der Gewässer stark gefördert wird. Der restliche, jetzt tiefrotbraun-violett gefärbte Blattschopf sinkt zu Boden und uberdauert dort den Winter. Das Absinken beginnt bereits Mitte September. Im darauffolgenden Frühjahr steigen die Rosetten mit zunehmender Tageslänge und Gewässererwärmung wieder zur Oberfläche auf. Die Unterwasserformen durchbrechen diesen für die Krebsschere eigentlich typischen Rhythmus und bleiben ganzjährig in der Unterwasserphase.
Eng an das Vorkommen der Krebsschere ist unter anderem die Existenz der schönen und seltenen Libelle Aeshna viridis, der Grünen Mosaikjungfer, geknüpft, die ihre Eier nur an den Blättern der Krebsschere ablegt, damit ihre Raupen sich davon ernähren können. Es ist zwangsläufig, dass dort, wo die Krebsschere verdrängt wird, auch diese Libellenart verschwindet.

Die Krebsschere im Gartenteich

Trotz der unglaublichen Mengen Krebsscheren an geeigneten Standorten ist eine Naturentnahme nicht ohne Weiteres möglich und es bedarf einer behördlichen Erlaubnis, einzelne Pflanzen zu entnehmen. Interessierte Gartenteichbesitzer sollten sich ihre Pflanzen also im Fachhandel oder von Teichbesitzern besorgen. Innerhalb eines Sommers können die Pflanzen im Gartenteich zu wahren Prachtexemplaren heranwachsen und reichlich Ausläufer bilden. Es kann allerdings, wie bei mir, auch mehrere Jahre dauern, bis sich die Krebsschere akklimatisiert hat. Einmal eingewöhnt, kann im begrenzten Wasservolumen eines Gartenteichs die starke vegetative Vermehrung zum Problem werden. Es bleibt also nichts anderes übrig, als von Zeit zu Zeit auszulichten. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass die übriggebliebenen Exemplare nicht in natürliche Gewässer ausgebracht werden, da derartige Verbreitungsverfälschungen zu unnötigen Verwirrungen bei der professionellen Vegetationsaufnahme führen, auch wenn die Art möglicherweise nicht Fuß fassen kann und damit bald wieder verschwunden ist. Einmal in der botanischen Literatur aufgetretene fehlerhafte Fundortangaben ziehen sich oft über Jahre hin und führen dann zu Fehleinschätzungen in der Erstellung von Verbreitungskarten. Doch zurück zur Kultur im Gartenteich. Möchte man dauerhafte Freude an der Wasseraloe haben, sollte darauf geachtet werden, dass im Teich ein ausreichendes, aber nicht überreichliches Nährstoffangebot vorhanden ist. Nährstoffüberlastung führt in den meisten Fällen zur Massenentwicklung von Algen, meist Fadenalgen, die sich dann mit den bestachelten Blättern von Stratiotes aloides zu unschönen Konglomeraten verknäueln. Die Empfehlung eines begrenzten Nährstoffangebots steht durchaus nicht im Widerspruch zur Feststellung, dass die Wasseraloe nährstoffreiche Gewässer bewohnt. Der Gartenteich mit seinem meist recht kleinen Wasservolumen ist jedoch im Allgemeinen nicht mit natürlichen Gewässern zu vergleichen. Auch wenn ein nährstoffarmer Bodengrund gewählt wird, reicht insgesamt der Gehalt an Pflanzennährstoffen im Teich für die Krebsschere aus. Schöner sind die beeindruckenden Bestände in den natürlichen Habitaten aber allemal, sodass ein Besuch beispielsweise des Trebeltals immer lohnt, zumal er den Blick für die Schönheiten der heimischen Flora schärft.


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