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Luftakrobaten am Gartenteich

Luftakrobaten

Libellen am Gartenteich

Frühmorgens, wenn die ersten Sonnenstrahlen unseren Gartenteich erreichen, sitzen die großen Libellen noch reglos an den Uferpflanzen und tanken die erste Wärme des Tages. Mit ausgebreiteten Flügeln kehren sie der Sonne den Rücken zu, um ihren Körper auf die nötige "Betriebstemperatur" aufzuheizen. Denn unter 13° C läuft gar nichts bei ihnen. Nach einer knappen Stunde ist es soweit: Pfeilschnell schießt die erste rote Libelle auf gläsernen Schwingen über das Wasser, steht urplötzlich in der Luft still, nimmt erneut Fahrt auf zu einem rasanten Zickzackflug über das Röhricht am Ufer. Nach einer engen Kehrtwendung setzt sie zum Sturzflug an und gewinnt mühelos wieder an Höhe. Schließlich landet sie auf einem schwankenden Stängel über der spiegelnden Wasserfläche. Star dieser Flugschau über dem Teich ist ein Männchen der Großen Heidelibelle (Sympetrum striolatum) auf der Jagd nach Bremsen, Fliegen und Mücken.

Gute Sicht

Bestimmte, etwas exponiert stehende Halme am Wasser wählt die Libelle als Aussichtspunkt. Das Männchen hat dort nicht nur vorbeifliegende Beuteinsekten, sondern auch ins Revier eindringende Rivalen und die begehrten Weibchen sofort im Blick. Die großen Facettenaugen bieten fast volle Rundumsicht. 30.000 einzelne Facetten in jedem Auge - damit halten Libellen den Rekord im Insektenreich - liefern bis zu einer Entfernung von 40 Metern ein scharfes Umgebungsbild. Einzigartig ist auch ihre Fähigkeit, Bewegungen ihrer Beute bis ins kleinste Detail wahrzunehmen. Schwirrt zum Beispiel eine Fliege vorbei, sieht die Libelle jeden einzelnen der 200 Flügelschläge pro Sekunde gestochen scharf, als wäre es in Zeitlupe. So kann sie während der Jagd die Flugbahn der Beute besser einschätzen. Ist sie zum Greifen nahe gekommen, streckt sie ihre borstenbesetzten Beine nach vorne und bildet mit ihnen einen Fangkorb, aus dem es kein Entrinnen gibt. Natürlich sind bei der Jagd Fehlversuche unvermeidlich. Deshalb sind diese scheinbar mühelosen Flugmanöver für die Libelle harte, energiezehrende Arbeit.


Revierverteidigung

Wagt sich ein anderes Männchen in das Territorium der Großen Heidelibelle, fliegt sie sofort blitzschnelle Attacken. Man hört die wirbelnden Flügel knistern, wenn sich die Kontrahenten beim Luftkampf berühren. Der "Platzhirsch" duldet keinen Rivalen in seinem Revier. Der "Heimvorteil" macht ihn stark, der Eindringling muss fast immer weichen. Erneut bezieht die Heidelibelle Posten.


Vermehrung

Kommt dagegen ein Weibchen in Sicht, verhält sich das Männchen ganz anders: Es folgt ihm, holt es sein, überholt es und packt es mit den Zangen am Hinterleibsende im Genick. Das Ganze ist Präzisionsarbeit bei voller Fluggeschwindigkeit. Nun fliegen die beiden als Tandem noch ein paar Runden und landen schließlich geschützt in der Ufervegetation. Die Körper umklammern sich zur Paarung ringförmig in der typischen Stellung als "Paarungsrad". Danach startet das Tandem erneut, jetzt aber mit einer anderen Flugtechnik: Gemächlich überfliegt das Paar die flache Uferzone dicht an der Wasseroberfläche. Immer wieder bleiben sie schwirrend in der Luft stehen, während das Weibchen seinen Hinterleib ins Wasser tupft, um Eier abzulegen. Denn die Larven der Libellen entwickeln sich im Wasser. Erst nach der Eiablage trennen sich die Partner. Ganz anders als die Heidelibelle verhält sich die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) bei der Eiablage. Sofort nach der Paarung ist das Weibchen allein unterwegs. Es sucht im Wasser treibende oder am Ufer liegende morsche Holzstücke, um in den Ritzen zwischen den Fasern seine Eier abzulegen. Dort überwintern die Eier und werden erst im folgenden Frühjahr ins Wasser gespült.


Larvenleben

Die ausschlüpfenden Larven haben keine Ähnlichkeit mit ihren Eltern: Sie leben im Wasser, atmen durch Kiemen und ernähren sich von kleinen Wassertieren. Anfangs erbeutet die 2,5 Millimeter große Libellenlarve nur winzige Krebschen. Später sind es dann Wasserflöhe und Mückenlarven und wenn sie nach mehreren Häutungen auf knapp fünf Zentimeter herangewachsen ist, kann sie auch Kaulquappen und Molchlarven überwältigen. Als Lauerjäger wartet sie reglos an Wasserpflanzen oder Steinen, bis Beute in Reichweite kommt. Dann schleudert die Larve ihre unter dem "Kinn" zusammengefaltete Unterlippe wie eine Harpune vor, die Fanghaken bohren sich in das Opfer und die zurückklappende Unterlippe zieht die Beute direkt vor die Mundöffnung.


Verwandlung

Nach zwei Jahren kommt endlich die Zeit der Verwandlung vom Räuber unter Wasser zum Jäger auf gläsernen Schwingen. Im Schutz der Nacht - denn sie wird die nächsten Stunden völlig wehrlos sein - klettert die Larve an einem stabilen Pflanzenstängel nach oben. Ihr neues Leben beginnt: Zuerst platzt die Haut am Rücken hinter dem Kopf auf. Der Brustabschnitt der Libelle quillt hervor, es folgt der Kopf mit den großen Facettenaugen. Das schlüpfende Tier neigt sich kopfüber nach hinten und zieht dabei automatisch die noch weichen Beine aus der starren Hülle. Immer tiefer lässt sich die Libelle sinken, sodass die eng zusammengefalteten Flügel aus den stummelartigen Schneiden gezogen werden und schließlich auch der größte Teil des Hinterleibs. Fast eine ganze Stunde hängt die halbgeschlüpfte Libelle in dieser Position. Dann schwingt ihr Körper plötzlich kraftvoll hoch. In diesem Moment gleitet der Hinterleib vollends aus der Hülle. Nun entfalten sich die Flügel. Atemluft und Körperflüssigkeit werden in die kurzen Stummel auf dem Rücken gepumpt. Durch den Druck glätten sich die Falten, die zusammengekräuselten Flügel werden lang und länger und überragen schließlich den Hinterleib. Nach einiger Zeit spreizt die Libelle ihre ausgehärteten, glasklaren Schwingen erstmals zur Seite. Es dauert aber noch zwei bis drei Stunden, bis auch alle anderen Körperteile fertig ausgeformt und ausgefärbt sind und die Libelle startklar ist für ihr kurzes Leben als Luftakrobat am Gartenteich. Sie jagt nur einen Sommer lang.


Großlibellen am Gartenteich

Auch der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) lebt oft am Gartenteich. Er ist mit knapp fünf Zentimetern Körperlänge etwas kleiner als die Mosaikjungfer. Als Aussichtspunkt bevorzugt er Steine am Ufer mit freiem Blick auf das Wasser. Hier findet meist auch die Paarung statt. Ein über ihn streichender Schatten, eine plötzliche Bewegung im Röhricht wie von einem jagenden Vogel lösen sofort einen blitzschnellen Flugstart aus. Ein Kleinod am Gartenteich ist die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea). Sie ähnelt auf den ersten Blick der ebenfalls roten Roten Heidelibelle (Sympetrum sanguineum). Aber sie ist etwas größer und komplett feuerrot gefärbt. Ursprünglich eine rein mediterrane Art, breitete sie sich aber in den letzten zwei Jahrzehnten weiter nach Norden aus. 1990 wurde sie erstmals in Süddeutschland sesshaft, 2007 erreichte sie Schleswig-Holstein. Sie bevorzugt kleine Gewässer, die sich schnell erwärmen, flache Ufer und viele Wasserpflanzen, Anforderungen, die viele Gartenteiche erfüllen. Diese Ausbreitung aus dem Mittelmeerraum bis nach Norddeutschland wird als Indiz für den Klimawandel gedeutet. Um dieses Phänomen ins Bewusstsein zu rücken, wählte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Feuerlibelle zur Libelle des Jahres 2011. Unter allen Großlibellen ist die Blaugrüne Mosaikjungfer die weitaus häufigste im Garten, denn sie ist sehr anspruchslos in ihren Biotopanforderungen. Ihre Larven hat man sogar schon in Regentonnen gefunden! Menschen gegenüber ist diese große Libelle wenig scheu. Während der Jagd inspiziert sie nicht nur jeden Winkel ihres Reviers, sondern auch Personen am Ufer. Pfeilschnell fliegt sie auf Gesichter zu und bleibt dicht vor den Augen abrupt in der Luft stehen - bei acht Zentimetern Größe und einer Spannweite bis zu elf Zentimetern ein imposanter Anblick. Dieses Verhalten nährt hartnäckig den schlechten Ruf der Libellen als "Augenstecher", "Satansnadeln" oder "Teufelsbolzen". Dieses Vorurteil stammt aus dem Mittelalter! Dabei können Libellen weder stechen noch beißen, sie sind allenfalls neugierig, aber nie aggressiv. Und nützlich sind sie obendrein: Ihre Larven vertilgen im Wasser Scharen von Mückenlarven, die erwachsenen Libellen sind unermüdliche Jäger von Mücken, Bremsen und Fliegen. In ungetrübter Freude lassen sich also die Luftakrobaten bei ihrer Flugschau über dem Gartenteich beobachten.


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