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Mit Knöterich Wassergärten gestalten

Arten und Sorten aus der Verwandschaft der Knöterichgewächse waren in der jüngeren Vergangenheit eher spärlich in den Angebotskatalogen von Gärtnereien zu finden. Mit dem Schlangenknöterich, dem Schneckenknöterich und gegebenenfalls dem Wasserknöterich für den Wassergarten erschöpfte sich das Angebot. Erst in jüngerer Zeit suchten Garten- und Landschaftsgestalter neue und andere Wuchsformen der Knöteriche, um wildnishafte und natürlich wirkende Kompositionen zu entwickeln, die überdies pflegeleicht sind. Einer der kreativsten Protagonisten dieser heute noch wenig bekannten Gestaltungsformen ist der holländische Gartengestalter Piet Oudolf. Für die Verwendung von Knöterichen im unmittelbaren Feuchtbereich des Wassergartens stehen nach wie vor nur wenige Arten und Sorten zur Auswahl. Etwas größer ist da die Palette der Formen, die ergänzend den Anschluss an die umgebenden Staudenpflanzungen bilden oder Bestandteil dieser Pflanzungen sind. Die Pflanzenfamilie der Knöterichgewächse (Polygonaceae) kommt zwar auf der gesamten Erde vor, besiedelt aber vorrangig die nördliche gemäßigte Zone und umfasst ca. 30 Gattungen mit etwa 800 Arten. Wie bei den meisten Pflanzenfamilien sind hier sowohl kleine, am Boden kriechende Kräuter, wie der einjährige Vogelknöterich, Polygonum aviculare, der sich zum Ärger mancher Gartenbesitzer reichlich verbreitet, aber auch der riesig aufragende, bis vier Meter hoch werdende, ausdauernde, sommergrüne Sachalin-Staudenknöterich, Fallopia sachalinense, der als Neophyt eine sehr imposante, allerdings sich sehr stark ausbreitende Großstaude für naturnahe Gartengestaltung sein könnte, vereinigt. Auch der ehemals zu Polygonum zählende, dann in die Gattung Fallopia überstellte, bis 12 m hoch kletternde Schling-Flügelknöterich, Fallopia baldschuanica, aus Westchina und Tibet ist ein sehr dekoratives Gehölz. Alte Pflanzen dieser mittlerweile in der Gartenkultur und Stadtbegrünung weit verbreiteten Art können dabei weit über eine Tonne Gewicht erreichen und benötigen deshalb ein recht stabiles Tragegerüst. Wenn man über die Knöteriche spricht, bemerkt man auch hier, wie vielfach in der Systematik, fortwährende Veränderungen in der wissenschaftlichen Namengebung. Unter Berücksichtigung neuerer Betrachtungsweisen muss man zur Kenntnis nehmen, dass viele Arten andere Zuordnungen erfahren haben. Als Beispiel soll der Wiesenknöterich dienen. Ursprünglich als Polygonum bistorta benannt, wurde die Art bald zur Gattung Persicaria als Persicaria bistorta gestellt, heißt aber zurzeit Bistorta officinalis. Ähnlich sieht es mit fast allen in diesem Beitrag besprochenen Knöterich-Arten aus. Deswegen folge ich in diesem Artikel den Bezeichnungen im „Zander" (Handwörterbuch der Pflanzennamen, 17. Auflage 2002). Um eine gewisse Gliederung vorzunehmen, unterteile ich die hier vorgestellten Knöteriche in Arten und Sorten des frischen bis feuchten Ufers und Beetbereichs sowie in solche des feuchten bis nassen Ufers und des Flachwasser. Über einen Meter hoch werden können die Formen und Sorten des Kerzenknöterichs. Aus Asien stammend (Afghanistan bis Südwest-China) und dort in Höhen von 2000 bis fast 5000 m vorkommend, ist er bei uns in der Gartenkultur meist recht unproblematisch. Er liebt humosen, nährstoffreichen Lehmboden, der eher etwas feucht (nie nass) sein sollte. Die schlanke, grazile Staude wächst aufrecht in Horsten und wird nie lästig. Sie wirkt vor allem in größeren Beständen, wobei man sich auf eine Farbvariante beschränken sollte. Wir kennen verschiedene Farbauslesesorten, von denen die bekanntesten 'Firetail' (Scharlachrot), 'Atropurpurea’ (Dunkelblutrot), 'Alba' (Weiß) und 'Rosea' (Lichtrosa) sind. Überdies finden wir noch neuere Züchtungen, die nur um 50 cm Höhe erreichen, wie die schön dunkelrote Sorte 'Inverleith'. Im dem Bereich, der sich an den nassen Uferbereich anschließt, ist der Kerzenknöterich durch seine späte und vor allem sehr lange Blütezeit wertvoll (von Juli bis zum Frost).

Teppichknöterich, Bistorta affinis

Dieser Knöterich bildet frischgrüne Blätterrasen, die sich von Juli bis November mit rosa Blütenkerzen bedecken. Der rasch wachsende Bodendecker eignet sich vorzüglich zur Begrünung von Böschungen und Flächen im Halbschatten und zwischen, mehr aber vor Gehölzen. Im Herbst und Winter schmückt eine intensive Färbung die spatelförmige Belaubung. Obwohl etwas ausbreitungsfreudig, wird die Art nie lästig.

„Polygonum gahil"

Nicht nur um verschiedene Aspekte der Gartengestaltung kennenzulernen, sondern auch um immer wieder neue Arten und Sorten Stauden zu entdecken, durchstreifen wir verschiedene öffentliche Schaugärten. Im Garten des Altmeisters der Staudenzüchtung und -verwendung, Karl Förster in Potsdam-Bornim, fanden wir am Ufer des zentral im Senkgarten der Anlage gelegenen Teiches einen Knöterich mit der in der Literatur nicht zu findenden Bezeichnung "Polygonum gahil". Die Benennung "gahil" setzt sich aus den Buchstaben zusammen, die auf dem ursprünglichen Schild noch erkennbar waren. Von Frau Marianne Förster, der Schwester des Altmeisters, erfuhr ich, dass es sich um eine Pflanze handele, deren Herkunft, aber auch deren Namen man nicht mehr ermitteln könne. Sie stellt sich als eine nur etwa 30 cm hoch werdende, horstig wachsende Pflanze mit dichter Belaubung dar, die von Juli bis zum Frost mit unendlich vielen weißlich-cremefarbenen Blütenständen überzogen ist. Die Ansprüche scheinen den vorher genannten Knöterichen zu entsprechen. Die Pflanze ist sehr dekorativ, wird wohl aber selten bleiben.

Alpenknöterich, Aconogonon alpinum

Naturnahe Pflanzungen in größeren Wassergärten vertragen im frischen Uferbereich auch etwas größere Knöteriche. Man sollte sich auch hier vor den invasiven Arten wie dem Japanischen Staudenknöterich, Fallopia japonica, und dem Sachalin-Staudenknöterich, F. sachalinense, hüten. Der im Aussehen ähnliche Alpenknöterich ist hier die Art der Wahl. Die Art wächst horstig und wird um die 1,5 m hoch. Die traubigen Blütenstände werden recht ansehnlich. Unentwegt bildet die Art über Sommer neue Blütenstände, teils aus Seitensprossen, teils aus neuen Trieben, die dem Rhizom entspringen. Dadurch entsteht eine sehr lange Blütezeit und die Art bleibt bis zum ersten Frost attraktiv. Selbst über Winter bleiben die trockenen Stängel als strukturbildendes Element im Staudengarten wertvoll. Weitaus weniger verbreitet als die genannten Pflanzen sind die gleichfalls dekorativen Arten Himalaya-Knöterich, Aconogonon campanulatum, Japanischer Knöterich, Aconogonon weyrichii (ähnlich dem Alpenknöterich) und die Tovara, Persicaria virginiana, um nur einige zu nennen. Hier gilt es noch viel auszuprobieren. ln den Katalogen der Versandhändler zumindest findet sich kaum eine dieser Arten. Öffentliche Schaugärten, aber auch Gartenschauen zeigen, wie vielfältig Knöteriche in die Staudenpflanzungen eingebunden werden können, wobei aber auch hier die Arten- und Sortenvielfalt eher spärlich ist.

Arten des feuchten bis nassen Uferbereichs und des Wassers

Es handelt sich um die bekannten Arten Schlangenwurz und Wasserknöterich, die sich nicht zuletzt durch die Farbigkeit und Größe ihrer Blütenstände von den anderen, meist bescheidener gefärbten Arten deutlich abheben. ln keinem Wassergarten sollte auf diese beiden verzichtet werden.

Der Wasserknöterich, Persicaria amphibia

Beim Durchstreifen der nordostdeutschen Landschaft fand man in der Vergangenheit häufiger, jedoch zunehmend seltener in flachen, sich schnell erwärmenden, verschlammten Grundmoränentumpeln, aber auch in abgeschnittenen Altarmen von Flüsschen und stillen, flachen Uferbuchten den Wasserknöterich. Im blütenlosen Zustand ist er relativ unauffällig und bedeckt mit seinen länglichovalen, dunkelgrünen, glänzenden Schwimmblättern die Wasseroberfläche. Beginnend im Juni, vor allem aber im Hochsommer, schmückt sich dieser Schwimmblattteppich mit einer unnachahmlichen rosa Blütenfülle, die weithin erkennbar ist. Die Grundachse der Pflanze wird im Verlauf einer Vegetationsperiode bis zu drei Meter lang und flutet im flachen Wasser. Sie wurzelt an den Knoten, ist am Grund ästig oder unverzweigt. Dort werden nur wenige, kurze Ausläufer gebildet. Die Blätter sind bei der Wasserform bis 15 cm lang, 3-6 cm lang gestielt, länglich eiförmig, am Grund abgerundet bis herzförmig, Stängel und Blätter sind kahl. Die auffällig rosa bis roten Blüten stehen in teils über 10 cm langen, dichtblütigen Ähren. Es werden sowohl zwittrige als auch eingeschlechtige Blüten gefunden, die teils zweihäusig sind. Die Blütenhülle ist 4- oder 5-blättrig und nur 5 mm lang. Es werden vier bis acht Staubblätter gebildet, die Griffel sind zweiteilig. Der Wasserknöterich hat eine erhebliche Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umgebungsbedingungen und bildet beim Austrocknen der Habitate eine Landform, die auch relativ lange Trockenphasen überdauert. Im Gegensatz zur Wasserform wird die Landform nur bis 75 cm hoch mit teils niederliegenden, teils bogig aufsteigenden Sprossen. Die gesamte Pflanze ist drüsig behaart, teils rötlich überlaufen, mit deutlich kleineren Blättern als die Wasserform. Die Landform blüht nur spärlich. Durch die intensive unterirdische Ausläuferbildung ist die Art, wenn sie in vernässten Ackersenken auftritt, ein unangenehmes Wurzelunkraut. Für den Gartenteich ist der Wasserknöterich hervorragend geeignet, hat meines Erachtens auch nicht den Hang, sich allzu stark auszubreiten, wenn er in den Randbereich des Teiches gepflanzt wird. Man dämmt seine Wuchsfreudigkeit am besten damit ein, dass ihm an den vorgesehenen Ausbreitungsgrenzen das Substrat entzogen wird (lose Kiesschüttungen oder grobe Kiesel).

Die Schlangenwurz, Bistorta officinalis

In typischen Feuchtwiesengesellschaften findet man vereinzelt, teils in ansehnlichen Gruppen, teils großflächig verstreut den Schlangenwurz. Häufig tritt er gemeinsam auf mit der seltenen Trollbume, teilweise vergesellschaftet mit Knabenkräutern der Gattung Dactylorhiza, der Kuckuckslichtnelke, kleineren Büscheln des Schmalblättrigen Wollgrases, dem oft in großen Beständen wachsenden Mädesüß, aber auch profaneren Arten wie dem Scharfen Hahnenfuß, dem Kriechenden Günsel, dem Wiesenfuchsschwanz und dem Bachnelkenwurz, um nur einige zu nennen. Im nördlichen Flachland Deutschlands ist die Pflanze an vielen Fundorten durch anthropogene Einflüsse im Rückgang begriffen, wird aber auf quelligen Standorten des Berglands, besonders der Alpen, noch recht häufig gefunden. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den gesamten nördlichen Bereich des eurasischen Festlandes einschließlich Alaskas. Die Schlangenwurz ist eine halbrosettig wachsende Art mit kräftigem, unterirdisch kriechendem, Ausläufer treibendem, sich schlangenartig windendem Rhizom. Im Deutschen heißt sie auch Schlangenoder Wiesenknöterich hat daher seinen Ursprung. Die am Grund eiförmigen, am Ende zugespitzten krautigen Grund und Stängelblätter sind länglich-eiförmig bis lanzettlich, bis 15 cm lang und 3 cm breit. Weithin leuchten die bis zu 8 cm langen, endständigen, rosa Blütenstände, die in Scheintrauben zusammengefasst sind, auf etwa 1 m hoch wachsenden Blütenständen. Sowohl die Art als auch die wenigen Sorten sind sehr gut für den nassen Uferbereich des Wassergartens geeignet. Die Sorten bleiben meist etwas kleiner als die Wildstaude und wachsen kompakter. Trotzdem sollte nicht vergessen werden, dass die Pflanze etwas expansiv ist und deshalb von Zeit zu Zeit durch Auslichten in ihre Schranken verwiesen werden muss. Aber nicht nur für die Gartengestaltung lassen sich verschiedene Stauden und Wildkräuter verwenden. Blüten, Stängel und auch die Blätter werden zu attraktiven Menüs verarbeitet und verzehrt. Auch die Schlangenwurz ist eine der Stauden, die gegessen werden können. Deshalb möchte ich zum Schluss auf die Möglichkeit der kulinarischen Nutzung des Schlangenknöterichs verweisen. Die großen, fleischigen Grundblätter der Schlangenwurz ergeben ein (aus eigener Verkostung) vorzügliches Gemüse.

Dazu folgendes Rezept: 20-25 große Blätter Schlangenknöterich, 100 ml Olivenöl, 100 ml Wasser, 50 ml Zitronensaft, 200 g Frischkäse. 200 g Schafskäse, 100 g Gorgonzola, 2 Knoblauchzehen, Salz, Zucker, Pfeffer, Wilder Majoran, Gundermann, Knoblauchsrauke. Aus Wasser, Olivenöl und Zitronensaft eine Marinade rühren und mit Salz, frisch gemahlenem Pfeffer und Zucker abschmecken. Die Blätter ca. vier Stunden in die Marinade legen, anschließend gut abtropfen lassen.

Für die Füllung: Knoblauch und Würzkräuter fein hacken. Frischkäse und Schafskäse vermischen und die Würzkräuter untermischen. Die Masse mit Salz, Zucker und Zitronensaft abschmecken und in die Knöterichblätter einwickeln. Mit der Marinade servieren.


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