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Neue Heimat für Herzlöffel, Sumpfenzian, Seekanne und Co.

Neue Heimat für Herzlöffel, Sumpfenzian, Seekanne und Co.

Auch wenn der Umweltgedanke sich immer stärker durchsetzt, viele Fehler wurden gemacht. So wurden zahlreiche Naturgewässer zugeschüttet oder entwässert. Pflanzen verloren ihren Lebensraum. Viele geschützte Wasserpflanzen, die in der Natur vom Aussterben bedroht oder gefährdet sind, lassen sich aber im und am Gartenteich kultivieren. Durch die Entwässerung von Sümpfen, die Trockenlegung von Mooren und den Ausbau von Flüssen zu Wasserstraßen wurden in den letzten Jahrzehnten vielerorts die natürlichen Standorte seltener Pflanzen vernichtet, die auf ständig überflutete oder wechselfeuchte Plätze angewiesen sind. Im Zuge der Renaturierung werden gelegentlich begradigte Bäche wieder zurückgebaut oder bei der Erschließung von Flächen für Straßen, Industriegebiete und Wohnsiedlungen naturnahe Ausgleichsflächen geschaffen. Dennoch gehen durch den enormen Flächenverbrauch weiterhin Lebensräume für Pflanzen und Tiere verloren.

Hausgärten als Refugien?

Obwohl die Gesamtfläche der Hausgärten im Vergleich zu den natürlichen Geländegebieten verhältnismäßig klein ist, können sie dennoch zum Erhalt verschiedener bedrohter Pflanzen beitragen. Einige Arten breiten sich in der geschützten Umgebung eines Gartenteichs sogar besser aus als in freier Natur, vor allem, wenn sie nicht mit Konkurrenzpflanzen zu kämpfen haben und ein konstantes Milieu vorfinden. So dringt beispielsweise der Fieberklee, Menyanthes trifoliata, bis ins tiefe Wasser eines Gartenteichs vor und breitet sich stark durch seine kräftigen Wurzelrhizome aus. Ähnlich vital ist die ebenfalls geschützte Teichrose oder Mummel, Nuphar lutea. Dieses Seerosengewächs kommt in natürlichen Teichen oder Flussbuchten wild vor. Sie lässt sich aber auch in ausreichend tiefen Wasserstellen ansiedeln, wenn sie nährstoffreichen Schlamm vorfindet. Hier breiten sich die armdicken Rhizome flächig aus. Für die Ansiedlung von Teichrosen genügen eine Tiefwasserstelle von ca. 1 m und eine Fläche von ca. 3 m2. Hier lässt sich auch die ebenfalls geschützte Weiße Seerose, Nymphaea alba, kultivieren. Besser zurecht kommt die verwandte Seekanne, Nymphoides peltata, in flachen Wasserstellen bei 20 bis 50 cm Wassertiefe. Auch diese seltene Staude braucht einen nährstoffreichen Grund. Sie gedeiht vorzugsweise in kalkarmem Wasser und kann gut mit Regenwasser versorgt werden.

Raritäten

Eine stark gefährdete Art ist der Herzlöffel, Caldesia parnassifolia, der in Deutschland nur noch in zwei Fischweihern in Bayern vorkommt und im Garten gleichermaßen auf eine flache Wasserstelle angewiesen ist. Er lässt sich aber sogar in einer Mörtelwanne dauerhaft kultivieren. Allerdings findet er sich nur bei wenigen Teichgärtnern im Angebot. Der Herzlöffel vermehrt sich durch Brutknospen. Die Pflanzen bilden bis zum Herbst eine Menge dieser Knölichen. Sie sinken auf den Teichboden und bleiben den Winter über erhalten. Die grünen Pflanzen selbst sterben ab. Im Frühjahr treiben die Brutknospen aus und entwickeln sich wieder zu neuen Pflanzen. Auf diese Weise bleibt der Bestand erhalten. Der Zwergrohrkolben, Typha minima, der ebenfalls auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen steht, wächst besser im Flachwasser eines Gartenteichs oder auch in einem speziellen Sumpfbecken. Hier kann er zusammen mit der stark gefährdeten Iris sibirica in nährstoffreichen Boden eingesetzt werden. Eine andere Seltenheit ist dagegen auf eine andere Bodenbeschaffenheit angewiesen. Der Sumpf- oder Moorenzian oder besser Blauer Sumpfstern, Swertia perennis, braucht einen sauren Boden.

Bezugsquellen

Selbstverständlich dürfen bedrohte Pflanzen nicht am natürlichen Standort entnommen werden - es sei denn, der Bestand ist ohnehin durch Bauvorhaben gefährdet. Dann können Sie einen Antrag an die Untere Naturschutzbehörde stellen und auch einmal mit den Vertretern örtlicher Naturschutzorganisationen sprechen. Viele Wasserpflanzen, die auf der Roten Liste stehen, sind in jedem Gartencenter zu bekommen, so etwa der Fieberklee, die Seekanne oder die Teichrose. Raritäten bieten spezielle Wasserpflanzenzüchtereien und -händler an. Adressen finden Interessenten z.B. im Internet mit einer Suchmaschine etwa nach der Eingabe von ,,Wasserpflanzen" in der Suchmaske. Einige Adressen haben wir für Sie im Bezugsquellennachweis zusammengestellt. Nicht immer stehen alle Pflanzen im Katalog. Sie sollten daher ruhig gezielt fragen. Zahlreiche gefährdete Sumpf- und Wasserpflanzen werden auch in Botanischen Gärten gepflegt. Hier können Sie ruhig einmal nachfragen, ob man Ihnen einen Ableger oder Samen überlassen kann - fragen kostet bekanntlich nichts.

Gefährdete Wasserpflanzen (Auswahl)

Alisma gramineum, Grasblättriger Froschlöffel Apium inundatum, Flutender Sellerie Baldellia ranunculoides, Igelschlauch Caldesia parnassifolia, Herzlöffel Calla palustris, Sumpfschlangenwurz Carex aquatilis, Wassersegge Carex limosa, Schlammsegge Cyperus flavescens, Gelbliches Zypergras Cyperus longus ssp. longus, Langes Zypergras Eleocharis mamillata, Zitzensumpfbinse Eleocharis multicaulis, Vielstängelige Sumpfbinse Eleocharis ovata, Eiförmige Sumpfbinse Eleocharis quinqueflora, Armblütige Sumpfbinse Eriophorum gracile, Zierliches Wollgras Eriophorum latifolium, Breitblättriges Wollgras Hottonia palustris, Wasserfeder Hydrocharis morsus-ranae, Froschbiss Iris sibirica, Sibirische Schwertlilie Isoetes echinospora, Stacheliges Brachsenkraut Isoetes lacustris, Seebrachsenkraut Isolepis fluitans, Flutende Simse Juncus stygius, Moorbinse Lobelia dortmanna, Wasserlobelie Ludwigia palustris, Sumpfheusenkraut Luronium natans, Schwimmendes Froschkraut Lysimachia thyrsiflora, Straußgilbweiderich Lythrum hyssopifolia, Ysopblutweiderich Menyanthes trifoliata, Fieberklee Myosotis rehsteineri, Bodenseevergissmeinnicht Nuphar pumila , Kleine Teichrose Nymphaea candida, Kleine Seerose Nymphoides peltata, Seekanne Oenanthe-Arten, Wasserfenchel Parnassia palustris, Sumpfherzblatt Pedicularis palustris, Sumpfläusekraut Potamogeton-Arten, Laichkraut Ranunculus tripartitus, Dreiteiliger Wasserhahnenfuß Schoenoplectus-Arten, Teichsimse Senecio angustifolium, Schmalblättriger Igelkolben Sparganium minimum, Zwergigekolben Stratiotes aloides, Krebsschere Swerita perennis, Blauer Sumpfstern Trapa natans, Wassernuss Typha minima, Zwergrohrkolben Typha shuttleworthii, Shuttleworths Rohrkolben Utricularia-Arten, Wasserschlauch Wolffia arrhiza, Zergwasserlinse

Gezielte Auswahl

Der Einsatz gefährdeter Pflanzen in einem Gartenteich sollte sich auf ausgewählte Arten beschränken, in eingedämmten Bereichen oder in Pflanzgefäßen erfolgen. Einige Arten sind recht vital und können sich durch Ausläufer stark ausbreiten. Wenn sie ungehindert wachsen dürfen, bedrängen sie unter Umständen andere Wasserpflanzen, die weniger wüchsig sind. Das gilt beispielsweise für den Fieberklee und den Schmalblättrigen Igelkolben. Andere dagegen sind wenig durchgesetzungsstark. Sie lassen sich in begrenzten Bereichen besser beobachten und man kann schnell eingreifen, wenn sie durch andere Arten bedrängt werden. In der Liste der gefährdeten Wasserpflanzen finden sich Arten für jede Teichgröße. So sind der Igelschlauch, der Herzlöffel und das Sumpfherzblatt eher für kleine, die Seekanne eher für große Teiche geeignet.

Echter Beitrag zum Artenschutz

Mit dem Anpflanzen selten gewordener Pflanzen schützen Sie nicht nur diese, sondern auch weitere Lebewesen. Viele Tiere, besonders Insekten, sind auf bestimmte Pflanzen oder Pflanzengruppen angewiesen. Pflegen wir die benötigten Pflanzen, werden sie sich vielleicht von selbst ebenfalls in unserem Teich ansiedeln. Auch viele Amphibien fühlen sich in solchen Teichen besonders wohl. Man hört häufig von Teichbesitzern den Ausdruck ,,Biotop" für ihren Gartenteich. Mit seltenen Pflanzen, denen Sie eine Heimstatt bieten, und möglicherweise den dazu passenden Kleintieren erst dürfen Sie wirklich davon sprechen, ein Biotop für bedrohte Arten in Ihrem Garten geschaffen zu haben.


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