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Saitenwürmer im Gartenteich?

Saitenwürmer (Nematomorpha) gehören sicher nicht zur Standard-Fauna im Gartenteich, aber es kann durchaus passieren, dass man, vorzugsweise im August und September, lange und dünne Würmer findet. Wie gelangen diese Würmer in den Gartenteich? Sind sie schädlich? Oder gefährlich?

Gordius aquaticus

Die bekannteste, aber bei weitem nicht einzige einheimische Saitenwurm-Art ist Gordius aquaticus, manchmal auch Wasserkalb genannt. In Deutschland kommen etwa 40 Arten, in ganz Europa gut 100 und weltweit etwa 300 dieser Würmer vor. Gerade in tropischen und subtropischen Regionen ist aber mit Sicherheit noch nicht die gesamte Vielfalt an Arten beschrieben worden. Alle Nematomorphen sind Parasiten, bei uns sind Laufkäfer und verschiedene Heuschrecken die verbreitesten Wirte. Wer besonders glücklich ist, kann beobachten, wie sich bei einem solchen Wirt am Hinterende ein Saitenwurm ausbohrt. Der Wirt sucht dazu Wasser auf, dies geschieht als Reaktion auf einen Reiz durch den Saitenwurm. Worin dieser Reiz besteht, ist allerdings noch unbekannt.

Im Vergleich zu seinen Wirten erscheinen Saitenwürmer riesengroß. Tatsächlich füllen sie weite Teile im Körper ihrer Wirte aus und können verhindern, dass sich die Geschlechtsorgane ausbilden, wodurch es zu einer Kastration des Wirtes kommt. Allerdings scheinen die meisten Wirte die Infektion mit den „gigantischen" Parasiten zu überleben. Während die Saitenwürmer in ihren Wirten leben, entwickeln sie sich von einem. Zehntel Millimeter bis zu 10 oder 20 Zentimetern Länge. Dabei wird Nahrung in gelöster Form aus dem Gewebe des Wirtes über die Körperoberfläche des Saitenwurms aufgenommen. Nach ihrem Austreten aus den Wirten nehmen die Saitenwürmer keine Nahrung mehr auf. Bei einigen Arten ist die Mundöffnung sogar komplett verschlossen. Die Tiere bewegen sich mit langsam schwingenden Bewegungen im Wasser, wobei die Männchen aktiver sind als die Weibchen. Durch Einrollen des Hinterendes können sich die Männchen an Pflanzen oder an anderen Saitenwürmern festhalten. So treffen Männchen und Weibchen aufeinander. Bei einigen Arten kann auf diese Weise ein ganzes Knäuel aus vielen Tieren entstehen, die fast unentwirrbar miteinander verknäult sind. Die Ähnlichkeit mit dem Gordischen Knoten aus der griechischen Mythologie hat zu dem Gattungsnamen Gordius geführt. Die Männchen übertragen nun Sperma auf die Hinterenden der Weibchen. Im Geschlechtssystem der Weibchen werden damit die Eier befruchtet und schließlich in Form von langen Schnüren abgegeben. Etwas übertrieben kann man sagen, dass Männchen und Weibchen riesige Behälter für die Keimzellen, Spermien und Eier sind. Sind diese Keimzellen abgegeben, erscheinen die Saitenwürmer platt und sterben. Aus den Eiern aber entwickeln sich winzig kleine Larven. Diese verfügen über Haken und Stilette, mit denen sie wieder Wirte infizieren können. Hier beginnt die bisher am wenigsten bekannte Phase im Leben der Saitenwürmer. Vermutlich werden alle möglichen im Wasser lebenden Tiere infiziert, aber die Weiterentwicklung findet nur in einigen von ihnen statt. Da sich die Saitenwürmer fast nur in landlebenden (terrestrischen) Insekten entwickeln können, ist es sinnvoll, Tiere wie Mückenlarven zu infizieren, die sich in der Larvalphase im Wasser befinden, nach der Metamorphose aber an Land fliegen. Dieser Weg ist tatsächlich nachgewiesen worden, allerdings bei einer japanischen Art, bei der die Mücken von Gottesanbeterinnen gefangen werden. Ob der Lebenszyklus bei uns in Mitteleuropa vergleichbar abläuft, ist bislang noch nicht klar. Sollte Ihnen also ein Saitenwurm im Gartenteich begegnen, ist es wahrscheinlich, dass ein landlebender Käfer oder ein Heuschrecke den Drang zum Wasser verspürte und einen Saitenwurm ins nächst erreichbare Wasser entließ.

Saitenwürmer sind absolut unbedenklich, sie sind nicht gefährlich, weder für die Teichbewohner noch für den Menschen. Es gibt eine ganze Reihe von Meldungen, bei denen Saitenwürmer im Verdauungstrakt des Menschen gefunden wurden. Diese Fälle lassen sich auf das Trinken von Saitenwürmer enthaltendem Wasser zurückführen, und dies geschieht bei uns so gut wie nie. Eine Schädigung wäre aber selbst dann nicht zu erwarten. Auch für den Gartenteich und seine tierischen Bewohner stellen Saitenwürmer keine Gefahr dar. Sie treten häufig genug auf, um immer wieder beobachtet zu werden, aber zu selten, um Populationen ihrer Wirte nachhaltig beeinflussen zu können.


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