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Bekko Koi

Diese Koi-Familie hält sich tapfer!

Können Sie sich vorstellen, dass es unter den 19 in Japan offiziell geführten Koifamilien eine gibt, die nicht von einem einzigen Züchter gezielt gezüchtet wird und dennoch existent ist? Vielmehr noch: Jedes Jahr wird auf den wichtigsten und größten Ausstellungen auf der Welt der beste Koi dieser Varietät und zuzüglich der einzelne Klassensieger gekürt. Und die Varietät, um die sich diese schier unglaubliche Geschichte dreht, heißt: Bekko.

Variationen

Den Bekko gibt es der Beschreibung nach in drei Variationen: als schwarzweißen Shiro Bekko, als rotschwarzen Aka Bekko und als gelbschwarzen Ki Bekko. Unabhängig davon, ob es sich um den weißen, den roten oder den gelben Bekko dreht, die Körperzeichnung ist in Größe und Anordnung immer in etwa die eines Sanke. Oder in anderen Worten: Subtrahiert man von einem sehr guten Sanke das Rot, so erhält man einen Shiro Bekko. Besitzt ein Sanke allerdings kein Weiß, sondern bedeckt das Rot sowohl den Kopf, den Körper und sämtliche Flossen, so ist es ein rotschwarzer Aka Bekko. Und nun kennen Sie auch den Weg, wie die heute angebotenen Bekko in den Handel gelangen: über die Sanke-Zucht. Da aber der finanzielle Wert eines Bekko, egal welcher Farbe, bei Weitem nicht dem eines Sanke entspricht, ziehen selbst große Sanke-Züchter keine Bekko groß, sondern verkaufen sie in der Regel als einjährige Koi. Trifft man aber doch einmal auf einen großen Bekko, so ist es in 99 Prozent aller Fälle ein Shiro Bekko. Der Grund dafür ist so einfach wie einleuchtend: Diese Koi waren meist über viele Jahre Sanke, bis sie dann irgendwann ihre rote Zeichnung verloren und nunmehr auf weißem Körper nur noch die schwarze Zeichnung haben. Dass der Ki Bekko als ausgestorben betrachtet werden darf, liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass es weder gelbschwarze Sanke gibt noch sonst eine Varietät, bei der diese Koi als Nebenprodukt abfallen könnten.

Zur Zeichnung

Die einzige Zeichnung, die der Bekko besitzt, ist die schwarze Körperzeichnung. Für diese ist zunächst wichtig, dass ein Kata-zumi (Schulterschwarz) vorhanden ist. Dies gibt der Optik des Koi die notwendige Stabilität nach vorne und verhindert,dass die Zeichnung zum Schwanz hin abrutscht. Bei dem nach hinten verlaufenden Sumi ist zudem wichtig,dass es immer wieder die Körperseiten wechselt und keinesfalls einseitig ist. Im Vergleich zum Sanke ist dies nicht zuletzt so wichtig, da der Bekko keine dritte Farbe besitzt, mit der eventuelle Fehler ausgeglichen werden könnten. Wie beim Shiro Utsuri ist bei der Bewertung des Bekko der Faktor Zeit ein kleines Problem. Denn Sie wissen bei einem kleinen Koi mit einer Zeichnung X nicht, wie sich das Sumi im Luafe der Zeit entwickeln wird. Wird es an den bestehenden Stellen größer? Geht es wie bei vielen Sanke etwas zurück oder kommt es gar an Stellen, wo man es heute noch nicht vermutet? Aber dies ist eben das Restrisiko, mit dem eigentlich alle Varietäten behaftet sind, die mit der Farbe Schwarz zu tun haben.

Die Farbqualität

Da der Bekko, wie erwähnt, nichts anderes als eine Zeichnungsvariante des Sanke ist, kennt man auch hier die Sumi-Qualitäten: Hon-zumi, Bake-zumi und Nabe-zumi. Letztgenanntes ist dabei am wenigsten gefragt, da es vom Farbton her nicht schwarz, sondern tiefdunkelbraun ist. Zdem hat es keinen Glanz und schafft es daher nicht, dem Koi einen jugendlichen und frischen Ausdruck zu geben. Bei den normalen Sanke ist derzeit das tiefdunkle, schwarze Bake-zumi im Trend. Doch ist fraglich, ob dieses Schwarz für den Bekko und dessen Eleganz das Optimum darstellt, da es dem Koi zu einem maximalen Farbkontrast verhilft, der vor allem bei großflächigeren Zeichnungen sehr hart wirken kann. Weicher und meist schöner ist daher bei Bekko sogenanntes Hon-zumi, das eigentlich kein richtiges Schwarz, sondern ein dunkles Blau ist. Und vor allem im Bereich des Sumi-zashi (die unscharfe Linie vor Beginn eines schwarzen Zeichnungselements) zeigt sich dieses Blau sehr deutlich und gibt der Zeichnung einen weichen und harmonischen Übergang. Doch ebenso wichtig wie die Farbqualität selbst ist die der Haut. Denn Letztere kann müde, matt und alt wirken. Genauso gut kann sie aber von Glanz, Frische und Jugendlichkeit durchgezogen sein. Und diese Haut ist es, die Koiprofis suchen - egal bei welcher Varietät. Diese Haut ist nicht nur sehr viel schöner und geschmeidiger, sondern schützt auch die Farben vor frühzeitiger Alterung oder Farbverlust.

Der Schweinskopf

Einige Jahre, nachdem Koi Einzug in die deutsche Gartenteichlandschaft genommen hatten, eilte dem Shiro Bekko der Ruf des "Schweinskopfs" voraus. Dies war die abfällige Bemerkung für Bekko mit gelben, rosa- oder karamellfarbenen Köpfen, wobei vor allem die rosafarbenen an die Schweinefarbe erinnerten. Um ganz ehrlich zu sein, besitzt die Mehrzahl aller jungen Sanke ebenfalls diese beschriebene Kopffarbe. Doch fällt sie dort aufgrund der roten Oberkopfzeichnung weit weniger auf. Wichtig ist es hier einfach, genauer hinzuschauen. Auch sei angemerkt, dass vor allem rosa- und karamellfarbene Köpfe ein Indikator für ein noch nicht begonnenes Finishing der Farben ist und somit eine wichtige Rolle bei der Bewertung eines Koi hinsichtlich seiner Farbqualität darstellt. Zudem hellen die meisten Köpfe nach Erreichen der Geschlechtsreife und nach dem ersten Ablaichen deutlich auf, sodass nach vier bis fünf Jahren dieses Problem nicht mehr relevant sein dürfte. Dreht es sich aber um einen männlichen Koi mit gelbem Kopf, so läuft man durchaus Gefahr, dass dieser entweder bleibt oder zukünftig noch sehr viel gelber und dunkler wird. So darf also die Kopffarbe bei jungen Koi nicht überbewertet werden, bei älteren spielt sie aber eine wertbestimmende Rolle. Das war eigentlich schon alles, was es über diese Koifamilie zu sagen gibt, die genau genommen um ihr Überleben kämpft. Da man aber in Japan eine Sache, für die man sich einmal entschieden hat, nicht mehr so schnell über Bord wirft, kann man davon ausgehen, dass der Überlebenskampf noch sehr viele Jahre andauern wird. Vielleicht, aber nur vielleicht, wird er in einigen Jahren irgendwann auf den großen Ausstellungen der Familie der Kawarimono zugeordnet. Denn noch heißt es unter ausstellungswilligen Händlern: "Wenn du mit geringem Einsatz einen Preis gewinnen willst, dann musst du mit einem Bekko kommen."


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