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Das Kleine Nachtpfauenauge auf der Suche nach dem Weibchen

Das Kleine Nachtpfauenauge auf der Suche nach dem Weibchen

Wenn Sie in Ihrem naturnahen Garten einen Teich, einen Bach oder ein Feuchtbiotop besitzen, in dem Mädesüßbestände (Filipendula ulmeria), die Rauschbeere (Vaccinium uligonosum), Wiesenknöterich (Polygonum bistorta), die Späte Traubenkirsche (Prunus serotina) oder Brombeeren wachsen, könnten Sie eines Tages Besuch von höchst interessanten Nachtschmetterlingen bekommen, deren Männchen aber schon nachmittags auf der Suche nach einem Weibchen unterwegs sind. Das Nachtpfauenauge, Eudia pavonia, ist eine auffällige Erscheinung.
Je nach geografischer Lage und Klima fliegen die hübsch gezeichneten Nachtfalter aus der Gruppe der Spinner von Anfang April bis Anfang Mai. In wild flatterndem Zick-Zack-Flug folgen die Männchen der Duftspur eines Weibchens, das irgendwo in der Vegetation ihrer Fraßpflanzen sitzt, eine Duftdrüse am Körperende ausstülpt und Sexuallockstoffe (Pheromone) verströmen lässt. Nektar aufnehmen können die Falter nicht mehr, denn ihre Mundwerkzeuge sind verkümmert, ihre Lebenszeit als Imago ist also stark begrenzt. Da heißt es, die Zeit zu nutzen, ein Weibchen aufzuspüren und zu begatten.

Weibchen finden

Wie aber ein Weibchen finden, das irgendwo in der Vegetation in Bodennähe an einer zukünftigen Futterpflanze ihres Nachwuchses sitzt und oft kilometerweit vom Männchen entfernt ist? Mutter Natur hat die Männchen mit einem hervorragenden Ortungssystem ausgestattet. Es sind die doppelten, fein gefiederten Fühler, hochempfindliche Antennen für die Duftmoleküle der weiblichen Pheromone. Ein Fühler besitzt 35.000 Sinneszellen. Bereits ein einziges Molekül des weiblichen Lockstoffs ist in der Lage, eine Sinneszelle zu erregen, und schon vier erregte Nervenzellen erlauben eine Verarbeitung im Nervensystem und Reaktionen des Falters. Auf diese Weise ist das Männchen in der Lage, die Duftstraße des Weibchens zu erkennen und in wildem, immer enger werdendem Zick-Zack-Flug entgegen der Windrichtung zum Ziel zu gelangen. Dort angelangt, kommen die unterschiedlich großen Partner (Geschlechtsdimorphismus) in der Regel gleich zur Sache, denn oft genug treffen ein weiteres oder gar mehrere Männchen gleichzeitig beim Weibchen ein, da gilt es schnell zu sein.

Raupen

Nach der Begattung, die über eine Stunde dauert, lösen sich die Partner. Das Weibchen beginnt meist im Schutz der Dunkelheit, einen Teil seines schweren, nun befruchteten Eivorrats in Bodennähe einer Futterpflanze abzulegen. Dies geschieht mit erstaunlicher Präzision, wenn das Weibchen nicht gestört wird. Hat es einen Teil der Eier in mehreren Ringen um den Zweig geklebt, fliegt es nun weitere zukünftige Futterplätze an und entledigt sich aller Eier. Danach sterben die Falter. Weil die Raupen polyphag sind, kommen eine ganze Reihe von Futterpflanzen für sie Infrage. Zu erwähnen wären noch Krüppelschlehen, Weißdornbüsche, Heidekraut, Himbeeren, Rosen, Weiden, Ulmenstockausschläge, Heidelbeeren und Faulbaum. Nach einer mehrwöchigen Entwicklungszeit verfärben sich die Eier bräunlich und nach ca. 3-4 Wochen schlüpfen zunächst die einfarbig schwarzen, behaarten Eiräupchen. Zunächst bleiben die kleinen Raupen noch zusammen, beginnen aber schon mit ihrer Fraßtätigkeit. Nun machen sie von Häutung zu Häutung eine bunte Farbumwandlung durch. Danach bekommen sie gelb-orangefarbene Seitenstreifen, schließlich verfärben sie sich mit zunehmender Größe meist grün bis türkisfarben, von schwarzen Ringen unterbrochen und von gelblichen bis rosafarbenen, behaarten Warzen verziert. Waren sie zu Beginn ihrer Entwicklung noch in lockerer Gemeinschaft beisammen, vereinzeln sie sich später immer mehr.

Metamorphose

In ausgewachsenem Zustand beginnen sie, meist in Bodennähe ihrer Nahrungspflanze, sich in einem zunächst weißen Gespinst einen birnenförmigen Kokon mit einer doppelten Reuse aus Seide zu spinnen, so dass kein Fremdling eindringen kann. Bald verfärbt sich der Kokon braun, wird dauerhaft fest und die Raupe häutet sich zum letzten Mal zu einer Puppe. Etwa ein Drittel aller Puppen überliegt, d.h. sie überwintern zweimal, ehe sie schlüpfen. Durch die nach schräg oben weisende Öffnung wird sich der Falter im zeitigen Frühjahr zwängen, nachdem er ein Enzym abgesondert hat, das die harten Reusenhaare wieder weich werden und ihn passieren lässt. Jetzt kann der Kreislauf der Metamorphose von neuem beginnen.


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