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Laubfrösche Hyla arborea im Gartenteich

An kaum einem anderen Frosch scheiden sich die Geister so wie am Laubfrosch. Für die einen ist er eine stark bedrohte Art, für die anderen eine unzumutbare Lärmbelästigung. Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, wobei allerdings das Pendel mehr in Richtung bedrohte Art als zur Lärmbelästigung hin umschlägt, nicht zuletzt auch aus rechtlichen Gründen. Doch davon später mehr. Der Laubfrosch, Hyla arborea, ist an sich nicht an das Vorkommen von Gewässern gebunden. Das besagt auch schon sein Artname, denn arbor heißt auf lateinisch Baum. Der Laubfrosch ist also ein Baum bewohnender Frosch (was ihm auch regional den Namen Baumfrosch eintrug), der sehr gut klettern kann, sich aber meist in Feuchtgebieten, Auwäldern oder feuchten Laubund Mischwäldern aufhält. Nur zur Fortpflanzung und für die Larvenentwicklung werden Gewässer benötigt. Die erwachsenen Frösche klettern eigentlich selten auf Bäume, sondern meist auf dichtere, nicht zu hohe Buüsche. Besonders beliebt sollen dabei Brombeerbüsche sein. Dort klettert der Frosch in die Höhe und nimmt besonders gerne Sonnenbäder. Dazu hat er an den verbreiterten Zehen Saugnäpfe, mit denen er sich ansaugt. Diese Eigenschaft des Kletterns, das besonders junge Frösche gerne zeigen, die älteren sind etwas sesshafter, ist einer der Gründe, warum sie selten geworden sind. Denn da der Laubfrosch natürlich vor allem bei gutem Wetter in die Sträucher kletterte, ging man davon aus, dass er das Wetter anzeigen könnte. Damit er das auch im Haus tun konnte, setzte man ihn in ein Glas, dazu eine kleine Leiter, und wartete auf seine Aktivitäten Natürlich sind seine Bewegungen nicht wetterbezogen. Trotzdem wurden früher Tausende von Laubfröschen auf diese Art eingesperrt und selten artgerecht gehalten, also wenigstens mit Insekten gefüttert. Noch heute bringt man den Begriff Wetterfrosch ein weiteret Name des Laubfroschs mit dieser Art der Tierquälerei, denn anders kann man es nicht bezeichnen, in Einklang. Immer noch glauben viele Leute, er wäre ein Wetteranzeiger. Ein für den Frosch folgenschwerer Irrtum. Laubfrösche sind relativ kleine Frösche, ihr Körper ist nur etwa 5 cm lang. Außerhalb der Laichzeit sind die Geschlechter nur schwer voneinander zu unterscheiden, wenn sie nicht rufen oder von unten zu sehen sind. Der Körper ist meist grasgrün, gelegentlich, vielleicht eine Anpassung an den Untergrund und damit zur Tarnung vor Fressfeinden dienend, auch eher olivgrün. Von der Nase durch das Auge bis zum Hinterkörper zieht sich ein dunkelbrauner bis schwarzer, oberseits meist goldfarben hell abgegrenzter Streifen, der den grünen Rücken vom hellen, leicht braun gemusterten Bauch trennt. Vor den Hinterbeinen macht dieser eine Ausbuchtung nach oben Die Weibchen haben eine helle Kehle, die Männchen eine dunkelbraune, gefaltete, den so genannten Kehlsack. Dieser Kehlsack wird zum Rufen aufgeblasen. Zum Ablaichen werden natürlich Gewässer benötigt. Dabei werden häufig solche Stellen aufgesucht, die noch nicht so lange angelegt sind, aber trotzdem schon eine gewisse Bepflanzung aufweisen. Allerdings werden manchmal auch nahezu kahle Pioniergewässer wie Kiesgruben oder größere Fahrspuren (die allerdings sehr häufig zu früh austrocknen) ausgewählt. Hier kommen auch Gartenteiche infrage, selbst frisch eingerichtete, die kaum Bepflanzung aufweisen. Bei länger eingerichteten Teichen und solchen, in denen Fische gehalten werden, scheint es so zu sein, dass der Feinddruck durch die anderen Bewohner so groß ist, dass die Kaulquappen keine Chance haben zu überleben. Selbst wenn es hier zum Ablaichen kommt, Erfolg ist dieser Ansiedlung nicht beschieden. Wichtig für eine potenzielle Ansiedlung am Gartenteich ist allerdings, dass es zumindest in der weiteren Umgebung noch funktionierende und reproduzierende Laubfroschvorkomme gibt, aus denen Frösche zuwandern können. Der Wanderradius der Frösche von den Siedlungsgebieten zum Laichgewässer liegt bei etwa einem Kilometer. Das Verbreitungsgebiet reichte früher von Südschweden über das gesamte Mitteleuropa bis zum Balkan. Weltweit kommen etwa 400 Hyla-Arten vor, H. arborea ist allerdings der einzige Vertreter in Deutschland. In Südeuropa kommen allerdings mehrere weitere Arten vor (die bis vor wenigen Jahren noch als Unterarten galten), so von der Südschweiz bis Italien der Italienische Laubfrosch, Hyla intermedia, der aber nur schwer vom Laubfrosch zu unterscheiden ist. Der in Spanien (und auf den Kanaren) anzutreffende Mittelmeerlaubfrosch, Hyla meridonalis, ist allerdings dadurch recht gut zu erkennen, dass die schwarze Seitenlinie nicht vor den Hinterbeinen einen Schlenker nach oben macht. Auf Sardinien findet sich der Tyrrhenische Laubfrosch, Hyla sarda, der auf einem heller grünen Rücken deutlich über augengroße grasgrüne, regelmäßige Flecken zeigt. Da es sich um eine Wärme liebende Art handelt, werden in Mitteleuropa nur Bereiche bis etwa unter 700 m Hohe besiedelt. Die Männchen finden sich Ende April an den Laichgewässern ein. Schon bald lassen sie dort die charakteristischen lauten ,,äp-äp-äp-äp'-Rufe hören. Während Gras- und Teichfrösche teilweise in großer Anzahl in Gartenteichen zu finden sind, halten die Laubfroschmännchen einen Individualabstand zueinander, jeder besetzt also ein kleines Revier und wartet dort auf die Weibchen, die etwas später zum Gewässer kommen. Das Ablaichen kann bis in den Juni hinein stattfinden. Jedes Weibchen legt bis zu 1000 Eier ab, die in charakteristischen, etwa hasel- bis walnussgroßen Klumpen an der Unterwasservegetation abgelaicht und dabei direkt vom Männchen besamt werden, das das Weibchen im Hüftbereich fest umklammert hält. Jeder dieser Ballen enthält etwa 50-70, seltener bis zu 100 etwa 1,5-2 mm große Eier. Daraus schlüpfen bereits nach 4-14 Tagen, je nach Wassertemperatur, die Kaulquappen. Diese haben weit auseinander stehende Augen sowie einen großen Flossensaum. Sie glänzen auch, vor allem im Bauchbereich, goldfarben und sind durch diese drei Merkmale gut von allen anderen Kaulquappen der weiteren Teich bewohnenden Amphibien zu unterscheiden. Auch hängen die Laubfroschkaulquappen gerne an der Wasseroberfläche, dann kann man auch gut die beiden goldenen Nasenstreifen sehen. Die maximale Länge der Kaulquappen beträgt 4 cm. Nach 40-80 Tagen entwickeln sich die Jungfrösche. Die Zeitdauer hängt sehr von der Temperatur der Gewässer ab und kann stark schwanken. Bei über 25 °C liegt die Idealtemperatur, dann dauert es nur etwa anderthalb Monate, bis die ungefähr 1,5 cm großen Jungfröschchen fertig sind, die Lungen ausgebildet haben und zum Landleben übergehen. Sowohl als Kaulquappen wie auch als Jungfrösche sind sie besonders Fressfeinden ausgesetzt. Im Wasser sind dies nicht nur Fische, sondern auch räuberisch lebende Insektenlarven, die einen teilweise hohen Tribut bezahlen. An Land sind es vor allem Vögel und kleinere Säuger bis hin zum Fuchs, die auch einem Froschhappen nicht abgeneigt sind. Früher waren es auch Störche, heute sind es eher Fischreiher, die allerdings auch den erwachsenen Fröschen am Gewässer gefährlich werden können. Die Kaulquappen leben vor allem vom Aufwuchs, den sie abraspeln und der aus Algen, Pflanzenresten sowie pflanzlichen und tierischen Kleinstlebewesen wie Pilzen oder Kleinstkrebsen besteht. Jungfischen können sie nicht gefährlich werden. Als Landtiere fressen sie dann kriechende und fliegende Insekten, Nacktschnecken und alle möglichen Würmer, die sie finden. Im Herbst sind die Jungfrösche dann schon etwa 3 cm groß. Die Männchen fangen dann auch schon mit dem Quaken an, sie üben praktisch schon für das nächste Frühjahr. Die meisten Laubfrösche erreichen allerdings erst in einem Alter von knapp zwei Jahren die Geschlechtsreife. Spätestens Anfang Juli verlassen die Altfrösche, etwa im September die letzten Jungfrösche die Laichgewässer. Auf dem Trockenen haben sie einen anderer Ruf, der eher heiser krächzend ist und vor allem an schwülen, warmen Sommertagen zu hören ist.

 

Sobald das Wetter kalt geworden ist und die Nachttemperaturen sich der Frostgrenze nähern, werden die Winterquartiere aufgesucht, in denen die Laubfrösche in eine Kältestarre verfallen. Als Überwinterungsquartiere kommen Steinhaufen, Wurzeln, Moosbereiche, aber auch Mauselöcher u.ä. infrage. Wer geeignete Stellen übrigens werden etliche davon auch von anderen Tieren wie Molchen und Igeln aufgesucht - in seinem Garten hat, sollte nicht im Herbst mit dem Großreinemachen anfangen. War der Laubfrosch früher noch in seinem potenziellen Verbreitungsgebiet nahezu allgegenwärtig, so sind die Vorkommen heute eher inselhaft. Die Gründe für den starken Rückgang, der den Laubfrosch in Deutschland an den Rand des Aussterbens gebracht hat, sind vielfältig. Vor allem aber der Mangel an geeigneten Laichgewässern ist die Hauptursache. Das lässt sich durch die Erfolge der Kleingewässer- und Feuchtwiesen-Renaturierungsprogramme zeigen, die z.B. in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurden. Insgesamt lässt sich daher feststellen, dass sich die Bestände in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren etwas erholt haben und es örtlich wieder recht stabile Laubfroschvorkommen gibt. Nur in den Niederlanden sind die Bestände nahezu dramastisch zusammengebrochen, wahrscheinlich aufgrund der starken Überdüngung der Gewässer. In Nordostdeutschland, Ostthüringen und einigen Stellen Bayerns war der Laubfrosch eigentlich immer häufig, wenn auch hier die Vorkommen zunehmen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es immer häufiger zu Ansiedlungen an geeigneten Gartenteichen kommt. Die Größe ist dabei nicht entscheidend, vielmehr kommt es darauf an, dass die Teiche möglichst voll besonnt und weitgehend frei von Fressfeinden sind. Sicher werden sich auch in einem neu angelegten Teich schnell räuberische Insektenlarven (vor allem von Libellen) ansiedeln, aber in den ersten Jahren werden immer einige Kaulquappen durchkommen und die Laubfroschpopulationen erhöhen. Das ist aber nicht nach jedermanns Geschmack. Wer einen Teich in seinem Garten anlegt, muss fast zwangsläufig auch früher oder später mit der Ansiedlung von Fröschen oder Kröten rechnen. Der Laubfrosch aber hat schon für so manchen vehementen Nachbarschaftsstreit gesorgt. Wie bei den meisten Fröschen findet das Balzspiel vor allem in der Dämmerung, aber auch bis in die Nacht hinein statt. Nun ist der Balzruf aber kein leises Klingen oder glocken- ähnliches Geräusch wie bei einigen Kröten, sondern ein geradezu durchdringender Ruf. Das Balzen ist bis in eine Entfernung von etwa einem Kilometer zu hören. Auf einer Terrasse neben einem Teich, in dem einige rivalisierende Laubfrösche miteinander um die Wette quaken, kann man sich kaum noch unterhalten, und das Schlafen bei offenem Fenster ist nur mit Gehörschutz möglich. Schnell kommt dann die Frage auf, wie man die Frösche wieder loswird; so manche Klage ist auch dagegen schon eingereicht worden. Wie aber verhalt es sich rein rechtlich? Nun, der Laubfrosch gehört zu den streng geschützten Arten. Ohne Erlaubnis der zuständigen Behörde, meistens der Unteren Naturschutzbehörde, ist kein Eingriff erlaubt. Allerdings wird diese Erlaubnis nahezu immer verweigert. Auch die Gerichte stellen sich fast immer auf die Seite des Artenschutzes, d.h. gegen rufende Laubfrösche darf man nichts unternehmen, auch wenn man um den Schlaf gebracht wird. Auch dürfen Eier, Kaulquappen oder Frösche nicht aus dem Teich genommen oder anderweitig beeinträchtigt werden. Dies wird als Ordnungswidrigkeit verfolgt und kann mit empfindlichen Geldbußen geahndet werden. Es gibt eigentlich keine legale Methode, Laubfrösche fern zu halten, allerdings ist es nicht verboten, Fische einzusetzen. Das reduziert sie zumindest. Ähnlich verhält es sich mit dem absichtlichen Einsetzen von Laubfröschen (auch als Laich oder Kaulquappen). Wenn diese natürlichen Gewässern entnommen werden müssten, ist dies natürlich auch verboten. Es gibt aber auch Nachzuchten, die legal erworben und im eigenen Teich (oder sogar Terrarium) angesiedelt werden können. Doch sollte man sich vorher über die möglichen Geräuschbeeinträchtigungen im Klaren sein. Gelegentlich trifft der Naturfreund bei einer Wanderung auf ein Gewässer, das auszutrocknen droht. Schnell gelingt es ihm dann vielleicht, Eier oder Kaulquappen, die sonst vertrocknen würden, zu retten. Hier besteht eine Meldepflicht bei der zuständigen Behörde. Nur in Zusammenarbeit mit dieser darf ein geeignetes Ersatzgewässer ausgesucht werden, denn ebenso wie der Fang ist auch das Aussetzen als Faunenverfälschung verboten und unter Strafe gestellt. Die Unteren Naturschutzbehörden - oder anderen entsprechend zuständigen Stellen - werden aber in den meisten Fällen eine Lösung vorschlagen können. Der Laubfrosch ist eine immer noch bedrohte Amphibie. Das Quaken gehörte früher zu jeder ländlichen Region in nicht zu hoch liegenden Gebieten Deutschlands. Wir sollten uns deshalb freuen, wenn es uns gelingt, durch die Anlage eines geeigneten Biotops diesen kleinen Teichfreund anzusiedeln.


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